Gewalt
Niemand sollte Gewalt erleben oder ausüben. Informiere dich über Formen und Motive von Gewalt, Unterstützungsmöglichkeiten und Anlaufstellen.
Was ist Gewalt?
Gewalt stammt vom mittelhochdeuten Wort „waltan“, was so viel bedeutet wie „beherrschen“ oder „stark sein“. Allgemein betrachtet wird unter dem Begriff „Gewalt“ eine Handlung oder eine Struktur verstanden, welche zu einer physischen und/oder psychischen Schädigung führt oder diese androht.
Finden eine Bedrohung oder Unterwerfung bzw. ein körperlicher und/oder psychischer Zwang gegenüber Personen statt, oder werden bewusst und absichtlich Tiere oder Dinge geschädigt, spricht man somit von Gewalt.
Wie Gewalt entsteht, kann nicht eindeutig gesagt werden. So können Erfahrungen durch familiäre Gewalt, soziale Benachteiligungen, schlechte Zukunftsaussichten, allgemeine Entwicklungsprobleme oder auch eine intensive Mediennutzung dazu beitragen, gewalttätige Handlungen und Verhaltensweisen aufzuzeigen.
Motive für Gewalt
Die Motive für Gewalt können sehr vielseitig sein. In vielen Fällen dient Gewalt dazu, das Ungleichgewicht auszunützen und Macht auszuüben bzw. die eigene Macht zu beweisen. Oft wird in diesem Zusammenhang auch von Aggressionen gesprochen. Die Suche nach (sozialer) Anerkennung ist gerade für viele Jugendliche ausschlaggebend für gewalttätige Handlungen. Der Versuch, sich gegenüber anderen Personen oder Gruppen Respekt zu verschaffen, soll dazu dienen, das eigene Selbstwertgefühl zu verstärken und führt im Zuge dessen oftmals zur Gewalt.
Auch Kompensation negativer Gefühle wie Angst, Wut, Neid, Kränkungen etc. können, vor allem in Stresssituationen, dazu führen, sich bedroht oder provoziert zu fühlen. Personen, die ein eher geringes Selbstwertgefühl besitzen, keine Handlungs- oder Bewältigungsalternativen erkennen können oder eine niedrige Frustrationstoleranz haben, versuchen diese Gefühle häufig mit aggressiven Verhaltensweisen auszugleichen.
Gruppendruck und Langeweile spielen in einem bereits gewalttätigen Umfeld oftmals eine bedeutende Rolle. Gewaltaktivitäten stellen für manche Menschen eine Abwechslung im Alltag oder einen Nervenkitzel dar. Oftmals sind Personen nur Mitläufer*innen größerer Gruppen. Aus Angst, selbst zum Opfer zu werden und dem Wunsch dazuzugehören, fügen sie sich der Meinung der Gruppe.
Formen von Gewalt
Gewalt ist sehr umfangreich, vielfältig und kann unterschiedliche Ausprägungen haben. Im Allgemeinen wird sie in persönliche und strukturelle Gewalt unterteilt. Persönliche Gewalt äußert sich durch körperliche und seelische Gewalt von einzelnen Tätern*innen. Im Gegensatz dazu umfasst strukturelle Gewalt die gesellschaftlichen Verhältnisse und geht nicht von anderen Personen aus. Die Formen der Gewalt, einschließlich körperlicher Gewalt, psychischer Gewalt, sexueller Gewalt und wirtschaftlicher Gewalt, werden im Folgenden ausführlicher beschrieben:
Körperliche Gewalt
Körperliche Gewalt
Physische Gewalt bedeutet körperliche Angriffe und Misshandlungen jeglicher Art. Sie ist der Versuch, einer oder mehreren Personen absichtlich und vorsätzlich Schaden zuzufügen. Körperliche Gewalt umfasst Schlagen, Kneifen, Treten, Verbrennen, Würgen, Verletzen, Bedrohen mit Waffen, Beschädigen und Zerstören von (persönlichem) Eigentum und Quälen von Tieren. Auch das grobe Anpöbeln von hilfsbedürftigen Personen ist eine Form der körperlichen Gewalt.
Psychische Gewalt
Psychische Gewalt
Psychische Gewalt liegt vor, wenn eine Person von einer oder mehreren anderen Personen über einen längeren Zeitraum systematisch psychisch gequält wird. Diese Form der Gewalt ist in der Regel subtiler und nicht immer offensichtlich, aber nicht weniger schmerzhaft und mit einem dauerhaften Trauma verbunden. Sie wird häufig von einer anderen Form der Gewalt begleitet. Psychische Gewalt kann sich in Form von Beschimpfungen, Beleidigungen, Drohungen, Anschreien oder Ignorieren, Erniedrigung, Entwürdigung, Kontrolle, Terrorisierung anderer und Androhung von Gewalt oder Selbstmord äußern.
Sexualisierte Gewalt
Sexualisierte Gewalt
Jede sexuelle Handlung, die durch Zwang oder ohne ausdrückliche Zustimmung aller handelnden Personen stattfindet, wird als sexualisierte Gewalt definiert. Sie bezeichnet den Missbrauch von Vertrauen, Abhängigkeit und Macht, um sich auf Kosten anderer, meist Frauen oder Kinder, durch sexualisiertes Verhalten oder sexuelle Handlungen zu befriedigen. Der Großteil der sexuellen Gewalttaten findet im familiären Umfeld statt.
Wirtschaftliche Gewalt
Wirtschaftliche Gewalt
Unter wirtschaftlicher Gewalt versteht man das Verbot oder die Nötigung zur Arbeit und/oder Ausbildung, die Ausbeutung der Arbeitskraft, die Beschlagnahmung des Lohns und die finanzielle Abhängigkeit durch den*die Partner*in. Diese Form der Gewalt ist der psychischen Gewalt zuzuordnen und befasst sich mit der Ausbeutung der wirtschaftlichen Überlegenheit.
Mobbing
Mobbing
Unter Mobbing versteht man absichtliche, gezielte und wiederholte Angriffe auf Personen oder Gruppen. Das Ziel der Mobber ist es, ihre Opfer sozial auszugrenzen oder zu isolieren. Ein wesentliches Merkmal von Mobbing ist, dass die Angriffe regelmäßig und über einen längeren Zeitraum erfolgen.
Was kann ich tun, wenn ich von Gewalt betroffen bin?
Wenn du selbst von Gewalt bedroht bist oder weißt, dass eine andere Person von Gewalt bedroht ist, ruf‘ um Hilfe. Folgende Angebote können dich und andere Personen unterstützen.
- Österreichische Notrufnummern Wenn akute Gefahr droht, ruft die Polizei (133 oder 122) zu Hilfe. Der Notruf ist kostenlos, funktioniert in allen Netzen (auch ohne Guthaben) und auch bei aktivierter Tastensperre und ohne SIM-Karte.
- Gehörlose Personen können per SMS rund um die Uhr unter 0800 133 133 polizeiliche Hilfe rufen. Die Polizei kann je nach Situation eine Wegweisung aussprechen, eine Anzeige aufnehmen oder die gewalttätige Person in Haft nehmen
- Die Krisenhilfe in Oberösterreich steht dir zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Rat und Hilfe zur Seite. Du kannst dich entweder jederzeit unter +43 732 21 77 oder über Online-Beratung an die Krisenhilfe wenden. Die Leistung kannst du kostenlos in Anspruch nehmen, wenn du einen Wohnsitz in Oberösterreich hast.
- Frauenhelpline: Gewalt gegen Frauen ist die häufigste Form von Gewalt in Österreich und betrifft Frauen aller Altersgruppen, sozialer Schichten, Kulturen, Religionen, in allen Lebenslagen und Situationen, in der Familie, in Beziehungen, am Arbeitsplatz, im Freundes- und Bekanntenkreis,… Wenn du selbst von Gewalt betroffen bist, ist es wichtig, dass du dir Hilfe suchst, auch wenn es schwer ist, das Schweigen zu brechen und viel Mut erfordert, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Eine Beratung auf Englisch ist immer, andere Sprachen sind auf Anfrage möglich.
- Gewaltschutz Zentren: Beratung bei häuslicher Gewalt, Gewalt im sozialen Umfeld, Stalking / andauernder Verfolgung, sowie für Prozessbegleitung.
- Männerinfo: Die Männerinfo ist anonym, vertraulich und kostenlos. Es wird 24h Unterstützung in akuten Konflikt- und Krisensituationen angeboten. Das Angebot umfasst Informationen, Beratungen und Notschlafstellen.
- Online Frauenberatung OÖ: Die Onlineberatung ist kostenfrei und vertraulich. Zuerst braucht es eine Registrierung auf der Webseite und danach kannst du dein eigenes Online-Postfach für die Beratung verwenden. Geantwortet wird werkstags innerhalb von 48 Stunden.
- Österreichische Frauenhäuser und Frauenhaus Linz (+43 73 26 06 700): Das Frauenhaus bietet Schutz, Sicherheit und Unterkunft durch eine Wohnmöglichkeit sowie kostenlose, anonyme Beratung, auch für Frauen die, nicht im Frauenhaus wohnen.
- Im HelpChat kannst du dich online beraten lassen und sich mit anderen betroffenen Frauen austauschen.
- Unter Gewalt ist nie ok! , finden betroffene Kinder und Jugendliche sowie ihre Betreuer*innen Informationen und Unterstützung.
- Verein Spektrum (+43 7235 659 69): Der Verein in Gallneukirchen bietet kostenlos und vetraulich Beratung nach terminlicher Vereinbarung an.
- Zentrum für Familientherapie und Männerberatung: Das Zentrum bietet Unterstützung bei Problemen in der Partner*innenschaft und/oder in der Familie, bei beruflicher Überlastung sowie Gewalt.
Was kann ich tun, wenn ich Zeug*in von Gewaltsituationen bin?
Gewalt (in der Familie) ist in Österreich ein sehr verbreitetes und daher sehr großes Problem. Aufgrund der engen Beziehung zwischen Täter*innen und Opfern ist es jedoch nicht immer einfach, zu helfen. Die gewalttätigen Personen haben oft sehr viel Macht, so dass es für die Opfer sehr schwierig ist, sich aus den Gewaltbeziehungen zu befreien. Deshalb ist Hilfe von außen besonders wichtig.
Reagieren und sich einbringen
Wenn die Täter*innen erkennen, dass ihr Umfeld von ihren Gewalttaten weiß und sie nicht befürwortet, ist dies ein erster Schritt, da die Betroffenen dadurch implizit gestärkt werden.
Informationen zum Thema einholen
Wer in einem konkreten Fall helfen will, sollte sich über die Rechtslage und die Möglichkeiten zur Hilfeleistung beraten lassen. Dies ist zum Beispiel im Gewaltschutzzentrum oder einer anderen unterstützenden Einrichtung (siehe oben) möglich.
Hilfe in akuten Notsituationen leisten
Wenn du Zeug*in von Gewalt wirst oder Hilfeschreie hörst, ist es wichtig, so schnell wie möglich zu handeln. Wenn du dich selbst sicher genug fühlst, versuche, die Gewalt zu stoppen, wenn möglich mit der Unterstützung anderer Menschen. Dies erfordert (Zivil-)Courage. Wenn es zu gefährlich ist einzugreifen, kannst du jederzeit die Polizei anrufen (Notruf 133 oder 112).
Aufgrund der Abhängigkeit der Opfer von den Täter*innen kann es vorkommen, dass die Opfer gegenüber der Polizei abweisend sind und sagen, dass nichts passiert ist. Dies ist eine normale Reaktion, die dem Selbstschutz dient, da die Opfer in der Regel weiter mit den Täter*innen zusammenleben. Durch das Einschreiten der Polizei wird die Gewalt jedoch vorerst gestoppt, und das ist in einer akuten Situation das Wichtigste.
Wenn die Opfer negativ auf das Einschreiten reagieren, sollte man das nicht persönlich nehmen, denn oft ist es für misshandelte Personen unmöglich, über die Gewalt zu sprechen. Trotzdem ist es wichtig, immer schnell zu reagieren – das kann Leben retten!
Kontakt zu den Betroffenen suchen
Es ist wichtig, auch nach einer Gewalttat aktiv Hilfe anzubieten. Dazu ist es notwendig, zu einem günstigen Zeitpunkt auf die Betroffenen zuzugehen. Bitte bedenke, dass es für die Opfer sehr unangenehm und gefährlich sein kann, über die Gewaltsituation zu sprechen. Informationen wie: „Ich möchte dir helfen, aber ich verstehe auch, dass es für dich unangenehm ist, darüber zu sprechen. Was kann ich für dich tun?“ können hilfreich sein. Außerdem ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen: „Du kannst immer zu mir kommen, ich werde es niemandem erzählen.“
Im Krisenfall sind konkrete Angebote für die Betroffenen besonders wichtig: „Du kannst mich jederzeit anrufen und wir können ein bestimmtes Zeichen vereinbaren, falls du Hilfe brauchst.“
Bedingungslose Hilfsbereitschaft
Die angebotene Hilfe sollte immer bedingungslos sein, damit sie die Betroffenen nicht unter Druck setzt. Bevor die eigenen Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind, ist es ideal, dies klar zu kommunizieren: „Ich schaffe es nicht mehr, dich aufzunehmen, es ist mir zu viel, aber ich werde dir helfen, andere Unterstützungsmöglichkeiten zu finden.“
Entscheidungen der Betroffenen respektieren
Nicht alle Menschen, die missbraucht werden, wollen oder können sich von der gewalttätigen Person trennen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kindern, Eltern oder anderen pflegebedürftigen Menschen, fehlende Alternativen, Angst vor weiterer Gewalt oder unklare Wohnsituationen. Und manche hoffen einfach, dass sich die Situation irgendwann ändert oder wieder normalisiert.
Wichtigster Grundsatz für alle Unterstützenden – ob im privaten Bereich, in Hilfseinrichtungen oder Institutionen – sollte immer sein, dass die Entscheidungen der Betroffenen respektiert werden. Nur sie können die Entscheidung für ihr Leben treffen. Dafür brauchen sie aber unsere Hilfe.
Kontakt mit der gewaltätigen Person suchen
Hier können insbesondere Männer, die Gewalt ablehnen, eine sehr wichtige Rolle spielen und der Gewalt Grenzen setzen, indem sie gewalttätige Männer mit ihrem Verhalten konfrontieren. Dies kann z.B. durch eine klare Aussage geschehen, dass Gewalt niemals akzeptiert wird, weil es dafür keine Rechtfertigung gibt. Möglichkeiten dafür werden z. B. in der Kampagne gezeigt.
Ich verhalte mich gewalttätig – was kann ich tun?
- Männer können sich an die Männerberatung OÖ oder die Männerinfo wenden
- Frauen finden bei der Frauenhelpline – Hilfe und Unterstützung
- Das Elterntelefon ist über die Telefonseelsorgen OÖ 24 Stunden am Tag unter der Telefonnummer 142 erreichbar.
18. Diversity Talk – Gewalt im sozialen Nahraum
Der 18. Diversity Talk der FH OÖ wurde von Mag.a Eva Schuh vom Gewaltschutzzentrum Oberösterreich zum Thema „Gewalt im sozialen Nahraum – nach wie vor kein Einzelfall. Ursachen und Handlungsmöglichkeiten“ abgehalten.
Gewalt im sozialen Nahraum ist für mehr als ein Drittel aller Frauen in Österreich, die in Beziehung leben, traurige Realität. Auch 28% der Männer erleben in ihrem Wohnraum Gewalt, und 92% aller Gewalttaten gehen von Männern aus. Dass es sich also bei Gewalt in Beziehung und Partner*innenschaft um ein Männerproblem handelt, ist offensichtlich. Was alle Menschen männlichen Geschlechts dagegen tun können, wird in der Kampagne „Mann spricht’s an“ gezeigt, welche Möglichkeiten es für Gewaltbetroffene (Frauen) gibt, wurde im Diversity Talk genauestens erörtert und auch mit Gesetzen in anderen Ländern (zB Spanien, Schweiz) verglichen.
Nachdem Gewalterfahrungen mit großer Scham behaftet sind, stellen wir den Diversity Talk wie immer für Mitarbeitende im Intranet und dieses Mal auch für Studierende, nebenberuflich Lehrende und andere Interessierte auf unserer Kompass-Seite zur Verfügung. In der Hoffnung, dass viele Gewaltbetroffene es wagen, das Schweigen so früh wie möglich zu brechen.
Denn Gewalt kann alle treffen und du bist nie schuld daran!
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Weitere Informationen und Anlaufstellen
- Film: "Und bist du nicht willig"
- Integrationsfonds Broschüre: STOPP - Gegen Gewalt an Frauen und Mädchen
- Gewalt bekommt eine Antwort
- Webinar: Gewaltfrei leben und arbeiten - unser Hof, ein sicherer Ort
- Need some Help - Angebot der FH OÖ
- StoP - der Podcast gegen Partnergewalt
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