Prokrastination
Prokrastination ist mehr als bloße Faulheit. Informiere dich über Hintergründe, Auswirkungen und hilfreiche Methoden für einen produktiveren Studienalltag.
Was bedeutet Prokrastination
Prokrastination bedeutet das Verschieben bzw. Aufschieben von anstehenden Aufgaben oder Tätigkeit – also zum Beispiel die Idee, dass es reicht, erst später mit dem Lernen oder der Abgabe zu beginnen. Also: morgen, oder in manchen Fällen auch übermorgen. Auf jeden Fall nicht heute. Dabei geht es nicht um gelegentliche Faulheit. Jeder schiebt hin und wieder etwas auf. Bis zu einem gewissen Grad ist es sinnvoll, sich nicht um alles sofort zu kümmern, da andere, dringendere oder wichtigere Dinge anstehen können. Spätestens dann, wenn der Erfolg an der FH oder das eigene Leben wegen schlechtem Gewissen und Stress leidet, ist es aber an der Zeit, sich Hilfe zu suchen.
Warum Prokrastinieren wir?
Entgegen vieler Vorurteile hat Prokrastination meist wenig mit Faulheit zu tun. Dahinter stecken oft psychologische Mechanismen.
Die Aufgabe wirkt zu groß
Eine 20-seitige Seminararbeit klingt deutlich einschüchternder als „Ein Thema auswählen“ oder „Drei Quellen recherchieren“. Große Projekte erzeugen schnell Überforderung. Unser Gehirn reagiert darauf mit Vermeidung.
Angst vor Fehlern
Viele Studierende setzen sich selbst unter enormen Druck. Sie wollen perfekte Ergebnisse erzielen und haben Angst, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Perfektionismus kann deshalb paradoxerweise dazu führen, dass man gar nicht erst anfängt.
Sofortige Belohnungen sind verlockender
Das Gehirn liebt schnelle Erfolgserlebnisse. Eine Serie schauen, Social Media öffnen oder das Zimmer aufräumen liefert unmittelbare Befriedigung. Die Belohnung für das Lernen oder Schreiben einer Hausarbeit liegt dagegen in der Zukunft. Deshalb entscheiden wir uns oft für den einfacheren Weg.
Unklare Aufgabenstellungen
Wenn wir nicht genau wissen, wie wir eine Aufgabe angehen sollen, steigt die Wahrscheinlichkeit des Aufschiebens. Unsicherheit erzeugt Stress – und Stress fördert Vermeidungsverhalten.
Ablenkung ist überall
Smartphones, Messenger, Streamingdienste und soziale Netzwerke konkurrieren permanent um unsere Aufmerksamkeit. Schon eine kurze Unterbrechung kann den Fokus zerstören und den Wiedereinstieg erschweren.
Die Folgen der Aufschieberitis
Viele Studierende glauben, sie würden unter Zeitdruck besonders gut arbeiten. Kurzfristig mag das manchmal funktionieren. Langfristig hat ständige Prokrastination jedoch häufig unangenehme Konsequenzen:
- steigender Stress und Zeitdruck
- Schlafprobleme vor Abgabeterminen
- geringere Leistungsfähigkeit
- Schuldgefühle und Frustration
- sinkendes Selbstvertrauen
- erhöhte psychische Belastung
Je länger Aufgaben liegen bleiben, desto größer erscheinen sie. Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus schlechtem Gewissen, Vermeidung und noch mehr Stress.
10 praktische Strategien gegen Prokrastination
Die gute Nachricht: Prokrastination ist ein erlerntes Verhalten – und kann deshalb auch wieder verlernt werden.
Große Aufgaben in kleine Schritte zerlegen
Große Aufgaben in kleine Schritte zerlegen
Anstatt „Hausarbeit schreiben“ auf die To-do-Liste zu setzen, sollte die Aufgabe in konkrete Einzelschritte aufgeteilt werden:
- Thema festlegen
- Literatur suchen
- Gliederung erstellen
- Einleitung schreiben
- Kapitel 1 schreiben
Kleine Schritte wirken weniger bedrohlich und erleichtern den Einstieg.
Konkrete Deadlines setzen
Konkrete Deadlines setzen
„Irgendwann diese Woche“ ist kein Plan. Lege fest:
- Wann beginnst du?
- Wo arbeitest du?
- Wie lange arbeitest du?
- Welches Ergebnis möchtest du erreichen?
Konkrete Termine erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass du tatsächlich startest.
Die unangenehmste Aufgabe zuerst erledigen
Die unangenehmste Aufgabe zuerst erledigen
Oft blockiert genau die Aufgabe, vor der wir uns am meisten drücken. Wer sie direkt am Anfang erledigt, erlebt anschließend Erleichterung und gewinnt Motivation für den Rest des Tages.
Ablenkungen entfernen
Ablenkungen entfernen
Während einer Lerneinheit:
- Handy auf „Nicht stören“
- unnötige Tabs schließen
- Benachrichtigungen deaktivieren
- einen ruhigen Arbeitsplatz wählen
Je weniger Versuchungen vorhanden sind, desto leichter fällt konzentriertes Arbeiten.
Den eigenen Biorhythmus nutzen
Den eigenen Biorhythmus nutzen
Nicht jede*r lernt morgens am besten. Manche sind früh produktiv, andere erst am Abend. Schwierige Aufgaben sollten möglichst in die persönliche Hochleistungsphase gelegt werden.
Den nächsten Tag planen
Den nächsten Tag planen
Wer abends bereits festlegt, was am nächsten Tag erledigt werden soll, startet deutlich fokussierter. Der Aufwand morgens sinkt und es müssen weniger Entscheidungen getroffen werden.
Routinen entwickeln
Routinen entwickeln
Regelmäßige Lernzeiten helfen dem Gehirn dabei, in einen Arbeitsmodus zu wechseln. Wenn Lernen zur Gewohnheit wird, kostet es weniger Überwindung.
Erfolge sichtbar machen
Erfolge sichtbar machen
Ein durchgestrichener Punkt auf der To-do-Liste erzeugt ein Erfolgserlebnis. Diese kleinen Fortschritte motivieren und stärken die Selbstwirksamkeit.
Sich belohnen
Sich belohnen
Nach einer produktiven Lernphase darf es durchaus eine Belohnung geben:
- eine Folge der Lieblingsserie
- ein Kaffee mit Freunden
- ein Spaziergang
- ein gutes Essen
Belohnungen helfen dabei, positive Verknüpfungen mit produktivem Verhalten aufzubauen.
Anderen von den eigenen Zielen erzählen
Anderen von den eigenen Zielen erzählen
Wer Mitstudierenden oder Freund*innen erzählt, was er*sie bis wann schaffen möchte, erhöht die persönliche Verbindlichkeit. Niemand möchte später erklären müssen, warum wieder nichts passiert ist.
Weitere Tipps und Informationen
- Verywell Mind: What is Procrastincation
- Karrierebibel: Prokrastination – Tipps gegen das Aufschieben
- AOK: Prokrastination – 15 Tipps gegen das ständige Aufschieben
- LifeHack: How to Stop Procrastinating
- UpJourney: How to Stay Focused on Your Goals
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