Leistungsschau der Forschung an Österreichs Fachhochschulen: FH Oberösterreich zeigt Projekte zu KI-Training und Tierhaltung
Forschungsforum der Fachhochschulen Mitte April in Graz
Teamfoto Josef-Ressel-Zentrum mit den Firmenpartnern. V.l.n: Celina Altman (Team), Michael Kargl (Team), Kathrin Preiner (Fronius International GmbH), Florian Eibensteiner (Leitung JRZ), Philipp Knaack (Danube Dynamics Embedded Solutions GmbH), Phillip Kastner (Team), Edwin Schweiger (Danube Dynamics Embedded Solutions GmbH), Martina Zeinzinger (Team), Josef Langer (Team), Florian Meißl (Danube Dynamics Embedded Solutions GmbH) Bildrechte: FH OÖ
Die FH Oberösterreich, als eine der forschungsstärksten Fachhochschulen im deutschsprachigen Raum, wartet auch heuer mit imposanten Zahlen auf: Mit einem jährlichem Drittmittelvolumen von über 34 Millionen Euro werden mehr als 550 Projekte mit mehr als 600 Projektpartnern bearbeitet. Zwei der „Flaggschiff-Projekte“ holt die FH Oberösterreich beim FH-Forschungsforum in Graz besonders vor den Vorhang: eines revolutioniert das Training von künstlicher Intelligenz, ein anderes verbessert die Haltung von Nutztieren.
„Die wissenschaftliche Arbeit zu den KI-Trainingsprozessen erfolgt in einem eigenen Josef-Ressel-Zentrum (JRZ), welches die Spitze der Angewandten Forschung an österreichischen FHs markiert. Das Thema Tierhaltung wird vom Wissenschaftsfonds FWF in Form eines kooperativen Doktoratsprogramms „doc.funds.connect“ gefördert“, erklärt FH-Prof. Michael Rabl, Hochschulpräsident der FH Oberösterreich. „Wir betreiben an unseren vier Fakultäten in Hagenberg, Linz, Steyr und Wels derzeit sechs Josef-Ressel-Zentren, das ist ein Drittel aller von der koordinierenden Christian-Doppler-Gesellschaft (CDG) für 2026 gelisteten JRZ. Dazu sind wir an drei doc.funds.connect-Projekten beteiligt“, zeigt sich FH-Prof. PD Johann Kastner, Vizepräsident für Forschung, erfreut.
Roboter sollen Trainingsprozesse autonom starten und neue Muster erlernen
Die Forscher*innen des Embedded AI Teams unter der Leitung von Dr. Florian Eibensteiner, Professor an den Studiengängen Hardware-Software-Design und Embedded Systems Design in Hagenberg, wollen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf verteilten Microcomputer-Systemen durch selbstständiges Training am Gerät revolutionieren.
Künstliche Intelligenz trifft Entscheidungen basierend auf einem Trainingsprozess, bei dem ein Modell erlernt, aus bestehenden Daten Muster zu erkennen. Durch neue Verfahren soll es Robotern und anderen Systemen mit Microcomputern ermöglicht werden, selbstständig einen neuen Trainingsprozess während der Arbeit zu starten und neue Muster zu erlernen.
Geforscht wird im neuen Josef-Ressel-Zentrum in Kooperation mit den Unternehmen Fronius International GmbH und Danube Dynamics Embedded Solutions GmbH. Mit Fronius arbeiten die Hagenberger Forscher*innen an einem optimierten Energiefluss durch ein ständiges Anpassen an sich änderndes Benutzerverhalten - und damit auch konkret an KI-Modellen für Wechselrichter des Unternehmens. Im Fokus der Zusammenarbeit mit Danube Dynamics stehen kollaborative Roboter in der Fertigung. Die Forscher*innen wollen herausfinden, wie ein Netzwerk aus diesen Robotern das Erkennen neuer Objekte selbstständig erlernen kann.
Das „Josef-Ressel-Zentrum für Künstliche Intelligenz für Ressourcenbegrenzte Geräte“ ist über fünf Jahre angelegt und hat ein Budget von 1,2 Mio Euro. Dieses wird jeweils zur Hälfte vom Wirtschaftsministerium und von den beiden Unternehmen Fronius International GmbH (Solartechnik) und Danube Dynamics Embedded Solutions GmbH getragen.
Technikunterstützte Tierhaltung für ein besseres Tierwohl Das Doktoratskolleg „PLFDoc – Precision Livestock Farming“ setzt auf modernste digitale Technologien in der Veterinärmedizin, um das Tierwohl, die Tiergesundheit und das Management landwirtschaftlicher Nutztiere zu verbessern.
Es handelt es sich dabei um eine Kooperation der FH Oberösterreich (Campus Hagenberg) mit der Vetmeduni Wien und der TU Wien.
Der Begriff Precision Livestock Farming (PLF) steht für „durch digitale Technologien unterstützte Nutztierhaltung“. In dem interdisziplinär gestalteten Ausbildungsprogramm arbeiten Doktorand*innen gemeinsam an Lösungen zum Geburtsmonitoring bei Rind und Schwein, die zu einer nachhaltigeren Nutztierhaltung beitragen sollen. Der Forschungsschwerpunkt liegt dabei in der anwendungsorientierten Grundlagenforschung, insbesondere in der Anwendung von Methoden der Erklärbaren Künstlichen Intelligenz (Explainable ArtificialIntelligence) sowie der Bild- und Videoanalyse (Computer Vision), die zum kontinuierlichen Monitoring von Nutztierbeständen genutzt werden sollen.
Finanziert wird die Doktoratsausbildung durch den österreichischen Wissenschaftsfonds FWF im Rahmen des doc.funds.connect Programms. Das Budget des Projektes liegt bei 1,03 Mio Ꞓ.
Zwei zentrale Forderungen für die Angewandte Forschung: Zukunftssichere Finanzierung und eigenständige Doktoratsprogramme für HAW/FHs „Weitere Beispiele erfolgreicher anwendungsorientierter Forschung werden bei dem alljährlichen Forschungsforum der österreichischen Fachhochschulen präsentiert, das heuer vom 15.04.2026-16.04.2026 am Campus 02 in Graz stattfinden wird. Unsere Hochschulen sind heute ein unverzichtbarer Bestandteil des österreichischen Bildungs-, Forschungs- und Innovationssystems. Sie sichern gesellschaftliche Chancengerechtigkeit, öffnen akademische Wege für neue Zielgruppen und stärken Regionen abseits der Ballungsräume. Mit ihrer praxisnahen, lösungsorientierten Forschung leisten sie einen unmittelbaren Beitrag zur Bewältigung zentraler Zukunftsfragen – von Klimaschutz über Digitalisierung bis zur Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig erzielen sie überdurchschnittliche Leistungen mit vergleichsweise geringen öffentlichen Mitteln und schaffen nachweislich hohe volkswirtschaftliche Wertschöpfung. Als Orte akademischer Exzellenz, regionaler Entwicklung und gesellschaftlicher Innovation zeigen unsere Hochschulen seit 30 Jahren, wie angewandtes Wissen schnell und direkt Wirkung entfaltet. Eine zukunftssichere Finanzierung und die Weiterentwicklung des Systems – einschließlich eigenständiger Doktoratsprogramme – sind daher entscheidend, um Österreichs Innovationskraft, soziale Durchlässigkeit und Versorgungssicherheit langfristig zu stärken. Jetzt muss die Politik handeln!“, fordern unisono die Spitzen der österreichischen FH/HAW.
Professoren und Studierende des PLFDoc Teams Bildquelle: FH OÖ