Internationale Forschungszusammenarbeit mit Steyrer Beteiligung
„Digital Detox“ im Fokus der Wissenschaft: Drei Tage ohne Smartphone fördern Wohlbefinden und Erholung
René Riedl, Leiter des Masterstudiengangs „Digital Business Management“, der gemeinsam von der FH Oberösterreich und der Johannes Kepler Universität Linz organisiert wird. Bildrechte: Kerrie Photography
Eine internationale Studie mit Beteiligung der FH Oberösterreich zeigt positive Auswirkungen digitaler Auszeiten. Die Ergebnisse bauen auf langjähriger Forschung zu digitalem Stress auf. Die Studienteilnehmer*innen verbrachten dazu auch einige Tage zum „digitalen Fasten“ in abgelegenen Ferienhütten in England. Evaluiert wurde dabei sowohl mit sozial- als auch mit naturwissenschaftlichen Methoden. Überraschenderweise ist die Haut jenes Organ, welches hier klar messbare Aufschlüsse liefert.
Ständige Erreichbarkeit, Informationsüberflutung und die permanente Nutzung von Smartphones können unser Wohlbefinden beeinträchtigen. Doch was passiert, wenn Menschen bewusst auf digitale Technologien verzichten? Dieser Frage ist ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung von Prof. Dr. Dr. René Riedl vom Campus Steyr der FH Oberösterreich nachgegangen. Die Ergebnisse der mehrjährigen Forschungsarbeit wurden nun in der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift Annals of Tourism Research veröffentlicht. Markantestes Ergebnis: Bereits eine dreitägige digitale Auszeit fördert Erholung, innere Ruhe und zwischenmenschliche Beziehungen.
Drei Tage ohne Smartphone – was verändert sich? Für die Studie verbrachten 23 Personen jeweils drei Nächte in abgelegenen Ferienhütten in England. Sie verzichteten dabei auf Smartphone und Internetzugang. Statt digitaler Unterhaltung standen Naturerlebnisse, Lesen und persönliche Gespräche im Mittelpunkt. Die Wissenschaftler*innen untersuchten das Wohlbefinden mittels Interviews und Tagebüchern, aber auch durch physiologische Messungen. Spezielle Sensorarmbänder zeichneten unter anderem die elektrische Leitfähigkeit der Haut auf, die Hinweise auf körperliche Aktivierung und emotionale Anspannung liefert.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Verzicht auf digitale Technologien zunächst durchaus ungewohnt sein kann. Während einige Teilnehmer unmittelbar nach dem Abschalten ihrer Smartphones erhöhte körperliche Aktivierung zeigten, berichteten viele im weiteren Verlauf von zunehmender Ruhe, größerer Aufmerksamkeit und intensiveren zwischenmenschlichen Erfahrungen. Auch die physiologischen Messungen lieferten Hinweise auf Veränderungen: Nach dem Aufenthalt wurden weniger Hautleitfähigkeitsreaktionen festgestellt als davor. Mehrere Teilnehmer äußerten zudem den Wunsch, ihre digitalen Gewohnheiten langfristig zu verändern.
Methodischer Mix aus Befragungen und physiologischen Messungen „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Digital Detox mehr sein kann als eine kurzfristige Pause vom Smartphone. Wenn die ständige digitale Ablenkung wegfällt, entsteht Raum für Erholung, bewusste Wahrnehmung und persönliche Beziehungen. Besonders interessant ist, dass wir diese Erfahrungen nicht nur durch Befragungen, sondern ergänzend auch durch physiologische Messungen untersuchen konnten“, erklärt René Riedl, Leiter des Masterstudiengangs „Digital Business Management“, der gemeinsam von der FH Oberösterreich und der Johannes Kepler Universität Linz organisiert wird.
Langjährige Forschung zu digitalem Stress Die Publikation ist das Ergebnis einer mehrjährigen Forschungszusammenarbeit von René Riedl mit britischen Wissenschaftlern, insbesondere von der University of Greenwich und der University of East Anglia. An der aktuellen Studie waren darüber hinaus Forscher aus China, Schweden und Neuseeland beteiligt.
Die Untersuchung knüpft an Riedls langjährige Forschung zu den Auswirkungen digitaler Technologien auf den Menschen an. Bereits im Rahmen eines vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts beschäftigte er sich intensiv mit Technostress, also Belastungen durch die Nutzung digitaler Technologien. 2020 erschien im Linde Verlag sein Buch Digitaler Stress – Wie er uns kaputt macht und was wir dagegen tun können, das 2021 in zweiter Auflage veröffentlicht wurde.
Das internationale Digital-Detox-Forschungsprojekt stieß bereits früh auf mediales Interesse. Im Oktober 2022 berichtete der ORF in seiner Sendung Thema über Digital Detox und die an René Riedl gerichtete Frage, wie sich digitale Auszeiten auf den Menschen auswirken.
„Während wir in unserer früheren Forschung vor allem untersucht haben, wie digitaler Stress entsteht und welche Auswirkungen er hat, beschäftigen wir uns im Digital-Detox-Projekt mit der Frage, wie sich Menschen von digitalen Belastungen erholen können. Unser Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für einen gesünderen Umgang mit digitalen Technologien zu gewinnen“, betont Riedl.