Empirisches Projekt im Studium Sozial-, Public- und Nonprofit-Management (SPN)
Der Bachelor-Studiengang Sozial-, Public- und Nonprofit-Management (SPN) hat im Rahmen der Lehrveranstaltung „Praxis empirischer Sozialforschung“ zwei Semester lang unter der Leitung von FH-Prof. Dr. Renate Kränzl-Nagl und Stephanie Schwarz BSc MSSc im Auftrag der LEADER-Region Eferdinger Land ein Lehrforschungsprojekt mit dem Titel „KiKa – Kinder und Karriere im Eferdinger Land“ durchgeführt.
Im Mittelpunkt des Projekts stand die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf in dieser Region. Die Studierenden näherten sich der Thematik aus zwei Richtungen: Bedürfnisse und Anliegen von Eltern mit betreuungspflichtigen Kindern im Alter von bis zu 10 Jahren sowie Erfahrungen und Perspektiven aus Sicht der Unternehmen in der Region. Die LEADER-Region Eferdinger Land misst diesem Thema große Bedeutung bei, denn eine zukunftsorientierte Familien- und Unternehmenspolitik auf regionaler Ebene braucht ein gutes Verständnis beider Seiten.
Nach einer fundierten Literatur- und Datenrecherche führten die Studierenden 11 qualitative Interviews mit Personalverantwortlichen aus Leitbetrieben verschiedenster Branchen in der Region. Anschließend wurde eine quantitative Online-Befragung mit 159 Eltern mit mindestens einem Kind bis 10 Jahren durchgeführt.
Die Erhebung der derzeitigen beruflichen Situation von Eltern mit Kindern im Alter bis 10 Jahren zeigte, dass sich nur 31,4 % durch ihre Arbeitgeber*innen gut bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützt fühlen. 11,3 % gaben an, sich mit der Organisation der Kinderbetreuung überfordert zu fühlen. Ein zentrales Thema war die Flexibilität der Arbeitszeiten: 59,5 % bewerten ihre Arbeitszeiten als (eher) flexibel, 40,5 % hingegen als wenig bis gar nicht flexibel. Besonders deutlich zeigt sich ein Unterschied zwischen Beschäftigten mit und ohne fixe Dienstpläne: Zwei Drittel der Befragten mit festen Arbeitszeiten empfinden ihre Arbeitszeitgestaltung als unflexibel, während 78 % derjenigen ohne feste Dienstpläne eine gute Flexibilität berichten. Etwa ein Fünftel der Eltern gaben Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit mit der Kinderbetreuung an. Häufig genannte Gründe waren eingeschränkte Öffnungszeiten – insbesondere in den Ferien –, unflexible Arbeitszeiten, fehlende Angebote und mangelnde familiäre Unterstützung.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Betriebe in der Region Eferding bereits über eine Vielzahl familienfreundlicher Angebote verfügen, denn 81,2 % der befragten Personen sind mit den Angeboten der Kinderbetreuung eher bis sehr zufrieden. Trotzdem besteht Handlungsbedarf, zum Beispiel bei den Angeboten in den Ferien: über ein Drittel der befragten Eltern kennt die Ferienbetreuungsangebote ihrer Gemeinde nicht.
Bei der Abschlussveranstaltung am 26. Juni 2025 in der Geschäftsstelle der LEADER-Region in Eferding im Beisein des Obmanns des Regionalentwicklungsverbands und Bürgermeisters von Pupping Mario Hermüller, der Geschäftsführerin Susanne Kreinecker sowie weiterer Mitglieder des LEADER-Projektauswahlteams, dem Geschäftsstellenleiter der WKO Eferding, Hans Moser, sowie Vertreter*innen von Unternehmen in der Region Eferdinger Land wurden folgende Vorschläge zur Weiterentwicklung präsentiert:
Förderung engerer Abstimmung zwischen Gemeinden und Betrieben, um bedarfsgerechte Betreuungsangebote effizienter zu gestalten und kommunale wie betriebliche Ressourcen sinnvoll zu nutzen.
Sensibilisierungsmaßnahmen und Schulungen für Führungskräfte, um das Thema Familienfreundlichkeit stärker im betrieblichen Bewusstsein zu verankern.
weitere Förderung einer familienfreundlichen Unternehmenskultur, in der Vereinbarkeit nicht als individuelles Problem, sondern als gemeinsame Verantwortung verstanden wird.
Nach einer anregenden Diskussion der Ergebnisse der Befragungen sowie der Empfehlungen endete die Veranstaltung bei einem gemütlichen Beisammensein.