Studierende aus Wels entwickeln kreative Ideen, um Geld für Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt zu sammeln
Verbessertes Fundraising beim Verein PIA
Mag. V. Grünberger (3. v.l.) und Studierende, die am Projekt zur Fundraisingstrategie maßgeblich mitgearbeitet haben. Bildrechte: PIA/FH OÖ
Sexualisierte Gewalt betrifft Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter und sozialen Hintergründe. Die Folgen für Betroffene sind oftmals gravierend und können langfristige Unterstützung, Beratung und therapeutische Begleitung erforderlich machen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an niederschwelligen Hilfsangeboten und damit auch an den finanziellen Ressourcen, die für deren Umsetzung notwendig sind. Der in Linz ansässige gemeinnützige Verein PIA begleitet und unterstützt Menschen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, und setzt sich für Prävention, Beratung und Therapie ein. Um die nachhaltige Finanzierung dieser wichtigen Arbeit zu stärken, beauftragte PIA Studierende des Bachelor-Studiengangs „Innovation, Product & Engineering Management“ (IPEM) der FH Oberösterreich in Wels mit der Entwicklung neuer Fundraising-Ideen. Ein erstes Projekt wird bereits im Herbst umgesetzt: der PIA-Award als Auszeichnung für langjährige Unterstützer*innen des Vereins.
Motivation ist auch dann eine wichtige Triebfeder, wenn es darum geht, eine Sache durch die Brille der wissenschaftlichen Methodik zu betrachten. Lisa Maier, in der IPEM-Studierendengruppe federführend, hält „die Arbeit von PIA und das Thema dahinter für sehr wichtig.“ Sie und die Gruppe wollten einen wirksamen Beitrag zur Unterstützung von PIA leisten. Das Leistungsspektrum von PIA reicht von Workshops zur Prävention über kostenlose und vertrauliche Beratung bis hin zur Psychotherapie für von Gewalt betroffene Frauen.
„Die IPEM-Studierenden haben das Spendenverhalten unterschiedlicher Zielgruppen analysiert, nationale und internationale Best Practices im NGO-Fundraising untersucht und daraus eine fundierte Fundraisingstrategie für den Verein PIA entwickelt“ ist FH-Assistenzprof. Dr. Kristiana Roth, die die Gruppe fachlich betreut hat, stolz.
Differenzierte Ansprache von Spender*innen Eine relevante Erkenntnis für die Studierenden war es laut Maier, dass Privatspender*innen und Großspender*innen eine differenzierte Ansprache brauchen, weil sie oft auch aus unterschiedlichen Beweggründen spenden. Die Kommunikationsstrategie eines Vereins müsse das unbedingt berücksichtigen. Außerdem solle der Spendenprozess möglichst einfach und unkompliziert sein, damit die Hürde zu spenden so niedrig wie möglich ist.
Das Projekt zeigt laut Kristiana Roth, wie breit Innovationsmanagement sein kann: „Die Studierenden entwickelten ein Fundraising-Konzept weiter, schufen neue Ansätze für Finanzierung und Zielgruppen-Kommunikation und wendeten Methoden aus dem Innovationsmanagement auch im Designprozess an – von der Ideenfindung über erste Skizzen und die Konzeptentwicklung bis hin zu Prototypen und Überlegungen zur Fertigung. So konnten die Studierenden sowohl strategische als auch gestalterische Kompetenzen anwenden“.
PIA Award wird erstmals im Oktober verliehen Ein zentrales Ergebnis, das die Studierendengruppe hervorgebracht hat, ist der PIA Award. Er übernimmt, so Lisa Maier, eine Doppelfunktion: „Der Award repräsentiert PIA und die Arbeit dieses Vereins, gleichzeitig wird er von den ausgezeichneten Personen als wertschätzend wahrgenommen“. Der PIA Award wurde von den Studierenden von der Idee bis zur Fertigung selbst entworfen. Das fertige Produkt, die Hand mit dem Schmetterling, am Ende vor sich zu sehen, empfanden die Studierenden als den krönenden Abschluss des Projektes. Erstmals an langjährige Unterstützer verliehen wird der PIA-Award bei der Veranstaltung „30 Jahre PIA – Charity Modeschau“ am 09. Oktober 2026 in der Spinnerei in Traun.
Warteliste für Beratung und Therapie verkürzen Mag. Viktoria Grünberger, Obfrau des Vereins PIA und im Brotberuf Leiterin der Finanzabteilung an der FH Oberösterreich, freut sich über die wirksame Entlastung des ehrenamtlich arbeitenden Vereinsvorstands: „Eine so fundierte Arbeit zum Thema Fundraising könnten wir Vorstandsmitglieder schon aus rein zeitlichen Gründen gar nicht leisten. Umso dankbarer sind wir für die professionelle und zugleich sensible Auseinandersetzung der Studierenden mit der Arbeit von PIA. Für uns ist Fundraising kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung dafür, Beratung, Prävention und Therapie langfristig abzusichern und weiter auszubauen. Unser Ziel ist klar: Menschen, die Unterstützung brauchen, sollen möglichst rasch Zugang zu vertraulicher Beratung und professioneller Begleitung erhalten – ohne lange Wartezeiten.“
Für PIA-Geschäftsführerin Barbara Niedermayer bedeutet das Studierendenprojekt vor allem eines: „Wir haben bei PIA nun eine Anleitung zur Hand, wie wir unser Fundraising professionell ausbauen können. Das hilft uns dabei, unsere begrenzten Zeitressourcen effizient einzusetzen.“
Wer ist PIA? PIA – Sexuelle Bildung und Prävention, Psychotherapie bei sexualisierter Gewalt wurde 1996 in Linz gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein. PIA arbeitet in den Bereichen Prävention, sexuelle Bildung, Beratung und Therapie. Die Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche, Erwachsene, Eltern, Pädagog*innen, Fachkräfte sowie an Einrichtungen in ganz Oberösterreich.
PIA bietet unter anderem Präventionsworkshops ab der 4. Klasse Volksschule, Workshops und Vorträge für Jugendliche und Erwachsene, kostenlose und vertrauliche Beratung und Psychotherapie an. Aktuell umfasst das Team 12 ehrenamtliche Vorstandsmitglieder, 18 Therapeut:innen sowie 5 Sozialarbeiter:innen und Sexualpädagog:innen.