Studie der FH Oberösterreich: Auch Gender-Gap bei MINT-Berufen bleibt bestehen
Junge Österreicher*innen zeigen schwindendes Interesse an Berufen
Autor der Studie die FH-Prof. Dr. Harald Kindermann untersuchte die Angaben der Gen Z Bildquelle: privat
Als „Generation Z“ (Gen Z) werden, je nach Definition, etwa die zwischen 1997 und 2010 geborenen Personen bezeichnet – darunter also auch die klassisch „studierfähigen“ Jahrgänge. Doch genau diese Gen Z legt generell einen deutlich geringeren Fokus auf bestimmte Berufe als das die Generationen davor tun. Dieser Mangel an beruflicher Orientierung ist das Ergebnis einer Studie, die FH-Prof. Dr. Harald Kindermann vom Campus Steyr der FH Oberösterreich durchgeführt hat. Diese Studie zeigt auch, dass die zwischen den Geschlechtern unterschiedliche Neigung zu technisch-naturwissenschaftlichen Berufen („MINT“) bestehen bleibt. Die FH Oberösterreich selbst setzt dem spannende Studieninhalte entgegen, um junge Menschen mit dem Drang nach Karriere wie auch jene mit einer Präferenz für Sinnstiftung abzuholen.
„Trotz der herausfordernden Ergebnisse dieser Studie dürfen wir nicht müde werden, die Potentiale einer Karriere in den MINT-Berufen aufzuzeigen. Die Generation Z sucht nach sinnstiftenden und zukunftssicheren Berufsfeldern. Genau hier liegen die großen Chancen für Oberösterreich. MINT sind das Fundament unseres Innovations- und Wirtschaftsstandorts“, betont FH-Prof. Dr. Michael Rabl, Hochschulpräsident der FH Oberösterreich.
Junge Menschen für Technik und Naturwissenschaft begeistern MINT-Berufe würden Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltige Entwicklung und hochwertige Arbeitsplätze sichern. „Als FH Oberösterreich sehen wir es daher als zentrale Aufgabe, junge Menschen für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern und ihnen zukunftsweisende, praxisnahe Bildungswege zu eröffnen. Denn die Fachkräfte von morgen entscheiden maßgeblich über die Zukunft unseres Landes", so Rabl weiter.
MINT-Berufe bei beiden Geschlechtern populär machen Das schwindende Interesse an MINT-Berufen ist längst kein rein weibliches Phänomen mehr. Wie die Studiendaten zeigen, ist auch unter Männern ein Rückgang zu verzeichnen – generationsübergreifend allerdings mit minus 1,69 Prozent zwischen 2023 und 2026 noch vergleichsweise moderat. Deutlich alarmierender fällt die Entwicklung bei der Generation Z aus: Hier brach das Interesse bei jungen Männern um 7,18 Prozent ein, bei jungen Frauen um 5,75 Prozent. Einen Gegenpol bilden lediglich die vor 1980 geborenen Männer – sie sind die einzige Gruppe, die dem Trend trotzt und ein zumindest leicht wachsendes Interesse an MINT-Berufen zeigt.
Auch für wirtschaftsnahe Berufe weisen die Ergebnisse der Befragung ein Minus von jeweils über sieben Prozent aus. Noch vergleichsweise gering war zwischen 2023 und 2026 das sinkende Interesse an pädagogischen Berufen, wo das Minus jeweils knapp unter fünf Prozent lag, sowie bei den Frauen an Gesundheits- und Sozialberufen mit einem Minus von 3,47 Prozent. Bei den Männern jedoch war auch das Interesse an dieser Kategorie von Berufen mit einem Minus von über sieben Prozent stark rückläufig.
Gen Z: Trotz Wunsch nach hohem Einkommen wenig Neigung zu MINT „Gerade für die Industrie sind diese Zahlen wenig erfreulich“, sagt Studienautor FH-Prof. Kindermann, „diese benötigt selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen Nachwuchs an MINT-Fachkräften.“ Eine interessante Facette zeigt sich laut Kindermann bei der Gen Z auch beim wichtigsten Entscheidungskriterium bei der Berufswahl: „Obwohl das Gehalt hier Priorität genießt, weist diese Generation das geringste Interesse an den abgefragten Berufsfeldern auf.“ Gerade hinsichtlich der durchwegs hochbezahlten MINT-Berufe sei das ein auffälliger Widerspruch. Eine mögliche Erklärung ortet der Forscher in einer starken Konkurrenz der Berufe zu „Privatinteressen“.
Geschlechtsunterschiede bei MINT-Berufen werden nicht kleiner Ein weiteres zentrales Ergebnis dieser Studie betrifft die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei MINT-Berufen. Klares Fazit: Diese bleiben, trotz vieler Initiativen, welche mehr Frauen für technische Berufe begeistern sollen, bestehen.
Die allgemeinen Voraussetzungen für technisch-naturwissenschaftliche Berufe sind im Wesentlichen bei Frauen und Männern gleich, darin liegt die Ursache der anhaltenden Diskrepanz also nicht. Zu diesem Schluss kommt FH-Professor Harald Kindermann auf Basis der Studienergebnisse. „Man hat es ganz einfach mit einer im Durchschnitt geringeren Interesse von Frauen für technische Berufe zu tun“, so Kindermann.
Der Forscher mahnt jedoch zur Differenziertheit: „Das Argument der unterschiedlichen Sozialisation allein als Ursache anzusehen, greift zu kurz.“ Der Steyrer Forscher plädiert dafür, in der Gesellschaft vorhandene Unterschiede bei Interessen und Neigungen zumindest in einem gewissen Ausmaß anzuerkennen. Eine Frau, die sich für Care-Arbeit interessiere, sei grundsätzlich genauso wichtig wie eine angehende Ingenieurin. „Das gilt selbstverständlich auch für Männer, wenn auch im umgekehrten Sinn“, betont Kindermann und stellt damit klar, dass es ihm nicht um eine Festschreibung von Rollenbildern geht, sondern um die Anerkennung individueller Präferenzen jenseits gesellschaftlicher Erwartungen.
Daten zur Studie Die Daten wurden im März 2026 online erhoben und nach Alter, Geschlecht und Bundesländern quotiert. In der Auswertung wurden die Babyboomer sowie die Generationen X, Y und Z separat betrachtet. Die Größe der Stichprobe umfasste rund 1000 Personen.