Öffentliches Expert*innenforum am Campus Wels der FH Oberösterreich hat industrielle Transformation im Blick
„No Hope“ für die Industrie – oder wie gelingt der Wandel?
FH-Prof. Kurt Gaubinger (mittig) und FH-Prof. Silke Preymann (2. von rechts) im Gespräch während der Expert*innenrunde. Bild: FH OÖ
Oberösterreichs exportorientierte Wirtschaft ist eng mit der FH Oberösterreich und deren Welser Fakultät für Technik und Angewandte Naturwissenschaft verwoben. Auf die Herausforderungen, denen die Industrie im internationalen Wettbewerb gegenübersteht, wird daher auch in Lehre und Forschung umgehend reagiert. Das Fazit einer vom Studiengang Mechatronik und Wirtschaft einberufenen Expert*innenrunde: Es reicht nicht, die Rahmenbedingungen zu beklagen. Unternehmen müssen aktiv handeln und die notwendigen Schritte für mehr Innovationsfähigkeit setzen.
„Die Industrie kann Wandel“, ist Bernhard Reisner, HR-Chef des Brillenherstellers Silhouette Group, überzeugt und schlägt damit vor den 150 Besucher*innen des Forums den Pfad des Optimismus ein. Es bedürfe dazu aber dauerhafter Anstrengungen in die Innovationskraft. Als Schlüssel dazu sieht Gregor Dietachmayr, Sprecher der Geschäftsführung des Landtechnik-Konzerns Pöttinger, ein „neues Verständnis von Ausbildung“ und Investitionen in die Qualifikation, um globalen Wettbewerbsverschiebungen zu begegnen.
Nicht der Mensch ist das Problem, sondern die Strukturen Carsten Bock, Senior Partner bei Roland Berger, deutet die Bedeutung struktureller und systemischer Aspekte an, wenn er sagt, es fließe „viel zu wenig Kapital in zukunftsfähige Unternehmen“.
Noch deutlicher wird hier FH-Prof. Silke Preymann, die in Steyr den Masterstudiengang Human Resource Management leitet: „Produktivität hängt nicht nur von Menschen, sondern von Strukturen ab. Eine moderne, mitarbeiterorientierte HR-Politik ist ein Erfolgsfaktor – Vertrauen und Weiterentwicklung sind hier zentrale Hebel“.
FH-Prof. Kurt Gaubinger leitet den Masterstudiengang Mechatronik und Wirtschaft. Als Innovationsexperte betont er: „Die Zukunft europäischer Unternehmen hängt von ihrer Innovationsfähigkeit ab. Dafür braucht es angepasste Strategien sowie eine Kultur, die Fehler zulässt, Risiken fördert und Offenheit lebt.“ Hier besteht für ihn teils großer Nachholbedarf, um „mehr Gestalter*innen und weniger Verwalter*innen“ in den Firmen zu haben.
Fokus auf beeinflussbare Faktoren Während man externe Faktoren wie geopolitische Unsicherheiten, Energiekosten, teils überbordende Bürokratie und Fachkräftemangel bestenfalls teilweise beeinflussen könne, stünden etwa ein kluger Einsatz von Ressourcen oder eine Kultur von Offenheit und Risikobereitschaft auf der internen Agenda der Unternehmen. Zudem müssten sie ermöglichen, so die Experten, dass Menschen aus ihrer Arbeit zwei zentrale Dinge schöpfen: Freude und Anerkennung.