Impulse für die Bauwirtschaft: FH Oberösterreich macht „aus Rivalen Freunde“
Neues Ausbildungsmodell lässt Architekt*innen und Bauingenieur*innen schon im Studium zusammenrücken
Der gemeinsame Workshop schlägt gleich zum Studienbeginn eine Brücke zwischen den Studierenden der Studiengänge Bauingenieurwesen im Hochbau und Architektur. Bildquelle: FH OÖ
Architektur und Bauingenieurwesen sind im Bauwesen natürliche Partner – in der Praxis ist dieses Verhältnis jedoch nicht immer konfliktfrei. Damit die beiden eng verzahnten Berufsbilder und deren Vertreter*innen aber von Anfang an auf Kooperation setzen, hat die FH Oberösterreich am Campus Wels ein neues Ausbildungsmodell entwickelt. Da rund 40 Prozent der Studienleistungen gleich sind, werden eine endgültige Studienwahl nach einer Einstiegsphase und sogar wechselseitige Zusatzabschlüsse möglich. Das bringt enorme Vorteile für die Bauwirtschaft. Die Studierenden beider Studienrichtungen sind auf der Edtbauernalm gleich mit einem Teambuilding ins akademische Leben gestartet.
Seit der Französischen Revolution wurden Architektur und Bauingenieurwesen zunehmend als getrennte Disziplinen betrachtet – die einen den „freien Künsten“ zugeordnet, die anderen als „rational arbeitende“ Techniker. Die fortschreitende Digitalisierung und das neue Ausbildungskonzept der FH Oberösterreich führen nun wieder zusammen, was im Bauwesen untrennbar zusammengehört: ganzheitlich denkende und technisch versierte Expert*innen.
Workshop für Teambuilding Die FH-Professoren Werner Hochhauser und Khaled Saleh Pascha leiten die Studiengänge Bauingenieurwesen im Hochbau sowie Architektur. Sie sind die Protagonisten des akademischen Kompetenzzentrums für Bauwesen, das sich am Campus Wels formiert hat. Der Studiengang Architektur ist mit Herbst 2025 neu gestartet.
Zu Studienbeginn haben die beiden für ihre Erstsemestrigen einen mehrtätigen Workshop auf der Edtbauernalm in Hinterstoder angesetzt. Dabei ging es nicht nur um Architektur und Technik, sondern ebenso um Sozialkompetenz. Dazu haben drei FH-Lehrende aus diesem Fachbereich die Studierenden begleitet. Die so stimulierte Kommunikations- und Teamfähigkeit war dann auch die Grundlage für erste technische Aufgaben.
Brückenmodell im Wettbewerb entwerfen Zunächst galt es, mit FH-Prof. Stefan Jaksch und FH-Prof. Khaled Saleh Pascha in interdisziplinären Zweierteams tragfähige Brückenmodelle im kleinen Maßstab zu entwerfen und auszuführen. Danach tauchten die Studierenden mit FH-Prof. Sophie Messerklinger in die Welt der Naturgefahren und des Tiefbaus ein: Bei einer Wanderung am Speichersee vermittelte sie die Handhabung geologischer Karten. Schließlich bauten die Studierenden mit FH-Prof. Werner Hochhauser und Techniker Josef Steinmair, wieder in kleinen Teams, als Einführung in den Ingenieurbau Brücken. Diese wiesen eine Spannweite von fünf Metern auf und mussten von den Gruppen auch passiert werden.
Finanziell unterstützt wurde der Workshop durch die Landesinnung Bau Oberösterreich.
„Easy Start“ ins Studium Das „Welser Modell“ sieht ein gemeinsames erstes und weitgehend identes zweites Semester für beide Studiengänge vor. Dies ermöglicht einen flexiblen Wechsel zwischen den Studiengängen nach dem ersten oder - mit gewissen Einschränkungen - auch nach dem zweiten Semester. HTL-Absolvent*innen aus dem Bauwesen können direkt ins zweite Semester einsteigen.
„Welser Modell“ mit Clou Der besondere Clou des Welser Ausbildungsmodells: Werden im Studienverlauf einige Lehrveranstaltungen freiwillig dazu belegt, kann nach dem Bachelor-Abschluss und zwei weiteren Semestern auch der jeweils andere Studienabschluss erworben werden.
Für die Bauwirtschaft entstehen dadurch wertvolle Synergien durch akademisch breit ausgebildete Expert*innen, die Projekte aus multiplen Perspektiven betrachten können.
Kennenlernen beim Infotag Ende November Dieses Ausbildungsmodell können Interessierte laufend in Form von Schnuppertagen kennenlernen. Ganz besonders bietet sich dafür aber der Infotag der FH Oberösterreich an – am Campus Wels findet dieser am 28. November von 09 – 17 Uhr statt. Professor*innen und Studierende beantworten alle Fragen der Studieninteressierten und zeigen praktische Beispiele im Labor.