Die Angewandte Forschung ist neben der Lehre die zweite wichtige Säule von Österreichs Fachhochschulen (FH) und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW). Allerdings sind insbesondere die finanziellen Rahmenbedingungen, um nachhaltig Forschungsthemen zu entwickeln, nicht optimal.
v.l.n.r.: FH-Prof. PD DI Dr. Johann Kastner (Vizepräsident für Forschung an der FH OÖ), Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner, FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl MBA (Hochschulpräsident und Geschäftsführer der FH OÖ) Bildquelle: FH OÖ
Die Forschungsprojekte werden derzeit fast ausschließlich durch Drittmittel finanziert, also durch Fördertöpfe des Bundes, der EU und der Länder sowie durch Mittel für Auftragsforschung aus der Wirtschaft.
„Die FH/HAW fordern dazu vom Bund insbesondere eine Basisfinanzierung für die Angewandte Forschung in der Höhe von 10 Prozent des jeweiligen Jahresbudgets. Nur so können wir mit mehrjähriger Planungssicherheit die besten Köpfe an uns binden und damit nachhaltig Forschungsthemen entwickeln“ erläutert FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl MBA (TUM), Hochschulpräsident der FH Oberösterreich, das zentrale Anliegen seines Hochschulsektors. „Wir an den FH/HAW tragen einen nicht mehr wegzudenkenden Anteil der Innovationskraft in Österreich. Insbesondere die Klein- und Mittelbetriebe (KMU) wurden und werden erst durch uns zielgerichtet mit Forschungsleistungen unterstützt“ unterstreicht FH-Prof. PD DI Dr. Johann Kastner, Vizepräsident für Forschung an der FH Oberösterreich.
Bei der diesjährigen Ausgabe des jährlich von der Fachhochschulkonferenz (FHK) ausgerichteten Forschungsforums, welches am 15. und 16. April in Graz stattgefunden hat, konnten sich die FH/HAW auf eine gemeinsame Linie zu diesem Thema einigen. Diese findet ihren Niederschlag im „Grazer Memorandum“, mit dem die Bedeutung der Angewandten Forschung für Wirtschaft und Gesellschaft eindrucksvoll unterstrichen wird.
GRAZER MEMORANDUM
Fachhochschulen/Hochschulen für Angewandte Wissenschaften spielen eine entscheidende Rolle in der anwendungsorientierten Forschung und Entwicklung (F&E). Ihre enge Verzahnung mit der Wirtschaft und Gesellschaft macht sie zu unverzichtbaren Akteuren für Innovation, technologischen Fortschritt und nachhaltige Entwicklung. Dieses Memorandum hebt die Bedeutung der Forschungstätigkeit von Fachhochschulen/Hochschulen für Angewandte Wissenschaften hervor und betont ihre Wirkung auf nationaler und regionaler Ebene.
DIE ROLLE DER FACHHOCHSCHULEN/HOCHSCHULEN FÜR ANGEWANDTE WISSENSCHAFTEN IN DER ANGEWANDTEN FORSCHUNG FH/HAW sind praxisausgerichtete Hochschulen mit einer starken Anwendungsorientierung in der Forschung. Sie entwickeln Lösungen für konkrete Herausforderungen in Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft. Durch ihre enge Kooperation mit Unternehmen, insbesondere mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), tragen sie dazu bei, neue Technologien und innovative Verfahren schnell in die Praxis zu überführen. Nur mit einer deutlichen Stärkung der Angewandten Forschung in Österreich sowie in ganz Europa kann die Wettbewerbsfähigkeit erhöht und die hohe Lebensqualität erhalten werden. Mit dem Schließen der Lücken zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlich verwertbaren Ergebnissen und der Beschleunigung von Innovationsprozessen in regional verankerten Ökosystemen tragen FH/HAW maßgeblich zu entscheidenden Erfolgsfaktoren im globalen Wettbewerb bei.
REGIONALE BEDEUTUNG DER FACHHOCHSCHULFORSCHUNG FH/HAW sind tief in ihren Regionen verwurzelt und fungieren als Innovationsmotoren für lokale Unternehmen und Institutionen. Durch ihre Forschungsaktivitäten werden regionale Wirtschaftsstrukturen gestärkt, Arbeitsplätze geschaffen und nachhaltige Entwicklungen gefördert. In strukturschwachen Regionen erhöhen FH/HAW die Innovationsfähigkeit und erschließen neue wirtschaftliche Perspektiven. Sie bieten Unternehmen Forschungskapazitäten und unterstützen damit auch den KMU-Sektor sowie Start-ups.
NATIONALE BEDEUTUNG DER FACHHOCHSCHULFORSCHUNG Auf nationaler Ebene leisten FH/HAW einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Landes. Durch die praxisnahe Forschung entstehen neue Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Geschäftsmodelle, die zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Die enge Zusammenarbeit mit der Industrie fördert den Technologietransfer und unterstützt sie bei der digitalen und nachhaltigen Transformation. FH/HAW tragen zudem zur Qualifizierung von hochspezialisierten Fachkräften bei, die den wissenschaftlichen Fortschritt in Unternehmen vorantreiben. Ihre praxisnahe Ausbildung in Verbindung mit anwendungsorientierter Forschung stellt sicher, dass Absolvent:innen optimal auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes vorbereitet sind.
INTERNATIONALE BEDEUTUNG DER FACHHOCHSCHULFORSCHUNG FH/HAW holen mit ihren internationalen Faculties fehlendes Wissen ins Land und verhindern Abwanderung. Sie pflegen Forschungskooperationen mit der ganzen Welt und reüssieren in den großen europäischen und internationalen Forschungsförderungsprogrammen, worüber sie mit internationaler Forschungsfinanzierung Wertschöpfung im Inland generieren.
POLITISCHE UND STRUKTURELLE RAHMENBEDINGUNGEN ZUR STÄRKUNG DER FACHHOCHSCHULFORSCHUNG Um das volle Potenzial der FH/HAW in der angewandten Forschung auszuschöpfen, sind geeignete Rahmenbedingungen notwendig. Dazu zählen:
Mehr und vor allem nachhaltige Mittel für angewandte Forschung
Deutliche Aufstockung der kompetitiven Forschungsförderung insbesondere in Kooperation mit der Wirtschaft und Entbürokratisierung der Verfahren.
Einführung einer Möglichkeit für FH/HAW Doktoratsprogramme zur Akkreditierung einzureichen, um akademische Karrieren und Forschungsexzellenz weiter zu fördern.
Die FH/HAW haben eine herausragende Bedeutung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung auf nationaler und regionaler Ebene. Ihre Stärkung durch gezielte Förderung, bessere infrastrukturelle Bedingungen und eine noch engere Verzahnung mit der Wirtschaft ist essenziell, um Innovationsprozesse zu beschleunigen und den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu sichern. Dieses Memorandum unterstreicht die Notwendigkeit, die Forschungsfinanzierung für den Sektor der Fachhochschulen/Hochschulen für Angewandte Wissenschaften auf eine solide Basis zu stellen und seitens der Bundesregierung eine verlässliche Grundfinanzierung sicherzustellen. Eine Basisförderung für diesen Hochschulbereich trägt wesentlich dazu bei, Österreich als Innovation Leader zu positionieren.
v.l.n.r.: FH-Prof. PD DI Dr. Johann Kastner (Vizepräsident für Forschung an der FH OÖ), Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner, FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl MBA (Hochschulpräsident und Geschäftsführer der FH OÖ) Bildquelle: FH OÖ