Österreichisches Weltraum Forum (ÖWF) simuliert astronautische Marsmission mit Robotik-Expertise aus Wels
"Die AMADEE-27 ist ein wichtiger Schritt, um Technologien für die zukünftige menschliche und robotische Marsexploration unter realistischen Einsatzbedingungen zu erproben. Die enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter steht dabei im Mittelpunkt", sagt FH-Ass.-Prof. DI Dr. Raimund Edlinger (3. Person von links). Neben ihm stehen der Hochschulpräsident der FH Oberösterreich Dr. Michael Rabl, Klaus Bannwarth, Niederlassungsleiter Gebrüder Weiss in Wels und Dr. Gernot Grömer, Direktor des ÖWF. Umgeben werden sie von den internationalen Analog-Astronaut*innen. Bildrechte: Gebrüder Weiss
Noch ist der Mars der große Sehnsuchtsort der internationalen Raumfahrt. Um mittelfristig eine bemannte Weltraummission zum roten Planeten starten zu können, sind umfassende Vorbereitungen in vielen Bereichen der Wissenschaft notwendig. So werden im April 2027 sechs sogenannte Analog-Astronaut*innen in Portugal erproben, wie Menschen am Mars leben und forschen können. Dabei testen sie - koordiniert vom Österreichischen Weltraum Forum - Technologien, wissenschaftliche Methoden, Arbeitsabläufe, medizinische Aspekte und robotische Fahrzeuge – sogenannte Rover – auf ihre Marstauglichkeit. Beim Erstellen eines dreidimensionalen Umgebungsmodells auf dem Mars kommt das Welser Robotik-Team der FH Oberösterreich ins Spiel.
An Bord der Mission AMADEE-27 finden sich 17 Experimente, entwickelt von über 20 wissenschaftlichen Einrichtungen aus Österreich, Europa und den USA.
Welser Expert*innen untersuchen Oberfläche und unterirdische Strukturen FH-Ass. Prof. Dr. Raimund Edlinger und sein Team vom Campus Wels der FH Oberösterreich bringen ihre Erfahrungen aus der Entwicklung autonomer Robotersysteme ein. „Wir integrieren einen Raman-Spektrometer und ein Ground Penetrating Radar (GPR) auf einem vierbeinigen Roboter. Durch die Kombination dieser Sensoren mit den integrierten LiDAR-Systemen erstellen wir ein umfassendes dreidimensionales Umgebungsmodell, das die Geländeoberfläche wie auch unterirdische Strukturen erfasst“, erklärt Edlinger die Agenda der Welser Mars-Mission.
Der Roboter soll die Analog-Astronaut*innen bei Außenmissionen unterstützen, etwa durch die Erkundung des Geländes, die Identifikation geologischer Strukturen und die Analyse potenziell interessanter Proben. „Für mich und mein Team bietet dieses Training eine spannende Möglichkeit, unsere Expertise aus der Rettungsrobotik in den Weltraumbereich einzubringen“, freut sich der Robotik-Experte über den extraterrestrischen Schritt und hofft, durch AMADEE-27 auch Perspektiven für zukünftige Forschungskooperationen und Weltraumanwendungen zu erschließen.
Interdisziplinäres Team im „Bodenkontrollzentrum" Die Analog-Astronaut*innen am Mars-Testgelände in Portugal sind mit einer realitätsnahen Signalverzögerung von zehn Minuten mit dem Bodenkontrollzentrum in Österreich, verbunden. Außerhalb ihres Wohnraums tragen die Analog-Astronaut*innen ihre Raumanzüge. Expert*innen aus Technik, Raumfahrt, Medizin, Robotik und Meteorologie werden einen detaillierten Ablaufplan für jeden Missionstag sowie die technische und wissenschaftliche Unterstützung betreffend die Durchführung der Experimente bereitstellen. Außerdem überwachen sie die Gesundheit der Crew.
Probelauf für AMADEE-27 in Wels Ende Oktober wurde der Gebrüder Weiss-Standort in Wels zum Testgelände für AMADEE-27, auf dem das Österreichische Weltraum Forum und die FH Oberösterreich wissenschaftliche Experimente und technische Systeme für die Mission erprobten. Medienvertreter*innen konnten dabei die Forschungsarbeit unmittelbar miterleben und auch den von der FH Oberösterreich entwickelten Rover im Einsatz beobachten.
Robotik als eine technologische Kernkompetenz an der FH Oberösterreich „Die FH Oberösterreich ist in der Region tief verwurzelt aber zugleich international erfolgreich. Das zeigen auch unsere Studierenden und Forschenden immer wieder: Das Team DYNAMICS gewann 2025 sowohl die RoboCup Rescue League als auch den Eurobot und verteidigte 2026 den RoboCup-Weltmeistertitel. Diese Erfolge stehen für die Verbindung von exzellenter angewandter Lehre und Forschung, engagierten Teams und internationaler Zusammenarbeit. Genau diese Stärken wollen wir mit unserer Strategie FH OÖ 2040 weiter ausbauen und international noch sichtbarer machen. Als künftige UAP University of Applied Sciences Upper Austria ist die Teilnahme an AMADEE 27 daher ein konsequenter nächster Schritt: Wir bringen unsere Kompetenz in autonomer Robotik in ein internationales Forschungsumfeld ein und erweitern unseren Wirkungskreis bis in den Kosmos, wenn auch zunächst nur virtuell“, sagt Hochschulpräsident FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl.
FH Oberösterreich als wichtiger Partner des Österreichischen Weltraum Forums „Es freut uns sehr, dass die FH Oberösterreich bereits zum zweiten Mal bei einer AMADEE-Mission des ÖWF teilnimmt und mit einem eigens entwickelten Rover vertreten ist. Das zeigt eindrucksvoll, dass Innovation und technische Exzellenz auch in Österreich einen festen Platz haben. Besonders wertvoll ist dabei die Möglichkeit für Studierende, ihr erlerntes Wissen im Rahmen eines so spannenden und international ausgerichteten Forschungsprojekts praktisch anzuwenden und an realen technischen Herausforderungen zu wachsen. Diese Verbindung von Ausbildung, Forschung und Innovation ist auch uns ein besonderes Anliegen, denn sie schafft die Grundlage dafür, junge Talente zu fördern und innovative Ideen in die Praxis umzusetzen“, sagt Dr. Gernot Grömer, Direktor des Österreichischen Weltraum Forums.
Gebrüder Weiss sorgt für eine optimale Logistik Mit dem Engagement im Rahmen von AMADEE-27 ist Gebrüder Weiss bereits zum dritten Mal offizieller Logistikpartner des Österreichischen Weltraum Forums bei einer Mars-Analog-Mission. „Eine Mars-Analog-Mission funktioniert nur, wenn auch die Logistik stimmt. Deshalb freuen wir uns, unsere Erfahrung auch bei AMADEE-27 einzubringen und das Österreichische Weltraum Forum bereits zum dritten Mal als offizieller Logistikpartner zu begleiten. Unser Team in Wels sorgt dafür, dass die sensible Forschungsausrüstung sicher und termingerecht von Österreich nach Portugal gelangt“, sagt Klaus Bannwarth, Niederlassungsleiter Gebrüder Weiss Wels.
Über das Österreichische Weltraum Forum Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) mit Sitz in Innsbruck und Wien zählt zu den führenden Einrichtungen für Weltraum-Analogforschung in Europa. Mit mehr als 250 Mitgliedern aus über 20 Nationen führt das ÖWF Mars-Analog-Missionen durch, ist an zwei Satelliten zur Erforschung von Weltraumschrott beteiligt und betreibt wissenschaftliche Forschung und entwickelt technische Innovationen für künftige Raumfahrtmissionen. Bei den Missionen erproben Analog-Astronautinnen und -Astronauten in marsähnlichen Regionen der Erde Technologien, Experimente und Arbeitsabläufe für eine spätere bemannte Marsmission. AMADEE-27 ist die 16. Mars-Analog-Mission des ÖWF. Weitere Informationen unter www.oewf.org
Über Gebrüder Weiss Die Gebrüder Weiss Holding AG mit Sitz in Lauterach (Österreich) ist ein weltweit agierender Full-Service-Logistiker mit rund 8.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 180 firmeneigenen Standorten. Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen einen Jahresumsatz von 2,72 Milliarden Euro (2025). Zum Portfolio gehören Transport- und Logistiklösungen, digitale Services und Supply Chain Management. Die Kombination aus digitaler und physischer Kompetenz ermöglicht es dem Konzern, schnell und flexibel auf Kundenbedürfnisse zu reagieren. Mit einer Vielzahl an ökologischen, ökonomischen und sozialen Maßnahmen verfolgt das Familienunternehmen, dessen Geschichte im Transportwesen mehr als 500 Jahre zurückreicht, eine langfristig ausgerichtete Nachhaltigkeitsstrategie. www.gw-world.com
Autonome Roboter müssen dabei nicht nur navigieren, sondern auch wissenschaftliche Aufgaben übernehmen und Astronautinnen und Astronauten bei der Erkundung unterstützen. Am Bild macht FH-Ass.-Prof. DI Dr. Raimund Edlinger mit seinem Team den Rover startklar für die Mission. Bildquelle: Gebrüder Weiss