High-Tech-Prothesen erleben - Exkursion zu Otto Bock
Impulse für die Lehre durch direkte Einblicke in die Welt der Prothetik
Studierende der FH OÖ mit Lehrveranstaltungsleiter FH-Prof. Hubert Egger (links) und Prothesenentwickler Dr. Roland Pawlik (rechts).
Studierende des Departments Medizintechnik besuchten am 18. März 2026 im Rahmen der Lehrveranstaltung „High-Tech-Gliedmaßenprothetik“ die Otto Bock Healthcare Products GmbH in Wien. Lehrveranstaltungsleiter FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Hubert Egger, blickt als ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens auf seine langjährige Erfahrung zurück und begleitete den Besuch.
Zu Beginn des rund dreistündigen Besuchs präsentierte Dr. Roland Pawlik das Unternehmen und gab einen Überblick über dessen Entwicklung und Bedeutung. Er hob hervor, dass Otto Bock seit der Gründung im Jahr 1919 konsequent das Ziel verfolgt, mit innovativen Produkten die Mobilität und Selbstständigkeit von Menschen mit Amputationen sowie anderen körperlichen Einschränkungen zu verbessern. Zudem wies Pawlik darauf hin, dass das Unternehmen heute weltweit rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 650 am Standort Wien.
Anhand konkreter Beispiele veranschaulichte er die technologischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte und zeigte, welchen Beitrag moderne Prothesensysteme heute für Menschen mit Gliedmaßenverlust leisten. Pawlik, der dem Unternehmen seit mehr als drei Jahrzehnten angehört, gilt als einer der prägenden Köpfe in der Prothesenentwicklung. Der gebürtige Wiener spielte unter anderem eine entscheidende Rolle bei der Entstehung des C-Leg – der weltweit ersten mikroprozessorgesteuerten Beinprothese mit Schwung- und Standphasensteuerung.
DI (FH) Christian Reitinger führte die Ausführungen mit konkreten Beispielen von Prothesenkniegelenken fort, veranschaulichte damit die technologischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte und zeigte, welchen Beitrag moderne Prothesensysteme heute für Menschen mit Gliedmaßenverlust leisten. Raphael Scheffel, Meister für Orthopädietechnik, ergänzte das Programm und erläuterte die Funktionsweise von verschiedenen Prothesen der oberen Extremität.
Im Anschluss daran lud der Gastgeber zu einem praxisorientierten Workshop ein, bei dem die Studierenden selbst Erfahrungen sammeln konnten. Eine Gruppe wurde von Reitinger angeleitet. Dabei hatten die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, Beinprothesen anzulegen und in einem Parcours zu testen, wie sich alltägliche Bewegungen – etwa das Gehen auf Treppen oder Rampen – damit anfühlen. Reitinger, selbst Absolvent des Studiengangs Medizintechnik an der FH Oberösterreich, ist seit 2006 im Unternehmen tätig und inzwischen bei Otto Bock als Global Coach tätig.
Die zweite Gruppe wurde von Scheffel betreut. Hier konnten die Teilnehmer:innen unterschiedliche Arten von Handprothesen ausprobieren, darunter auch myoelektrisch gesteuerte Modelle. Scheffel verfügt ebenfalls über langjährige Erfahrung im Unternehmen und befasst sich unter anderem mit der Entwicklung von Prothesenschäften.
Den Abschluss bildete eine Führung durch die Prüf- und Produktionsbereiche, bei der Pawlik den Studierenden Einblicke in spezielle interne Abläufe gewährte. Dabei wurde deutlich, mit welcher Genauigkeit und Sorgfalt Prothesensysteme gefertigt und überprüft werden, bevor sie an die Anwender:innen übergeben werden. Besonders ins Auge fiel der hohe Grad an Automatisierung: Zahlreiche Prozesse – von Belastungstests bis hin zur abschließenden Funktionsprüfung – werden durch moderne, computergestützte Anlagen durchgeführt.
Lehrveranstaltungsleiter Egger bedankte sich herzlich bei seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen von Otto Bock für die spannenden und praxisnahen Einblicke in die Prothesenentwicklung. Sein besonderer Dank galt dabei Herrn Martin Wehrle und Milan Trifunovic, die den Studierenden als Anwender von Gliedmaßenprothesen persönliche Erfahrungen vermittelten und eindrucksvoll schilderten, wie sich der Alltag mit Prothesen gestaltet. Ihre offenen Berichte boten den Teilnehmer:innen wertvolle Perspektiven, die weit über die technische Betrachtung hinausgingen.