Zwischen Erinnerungskultur, Armut und Politik: Exkursionen der Sozialen Arbeit
Soziale Arbeit ist auch deshalb ein spannendes Berufsfeld, weil nicht nur individuelle Problemlagen von Klient*innen, sondern auch gesellschaftliche Aspekte damit verbunden sind. Auch darauf werden die Studierenden in ihrem Studium vorbereitet. Unter anderem von FH-Prof.in Iris Kohlfürst:
Sie hat im April im Rahmen ihrer Lehrveranstaltung „Vertiefung menschenrechtlicher und politischer Aspekte der Sozialen Arbeit“ verschiedene Einrichtungen besucht und dort Führungen gemacht. Die Studierenden haben Fotos gemacht und das Erfahrene in kurzen Texten reflektiert.
Spiegelgrund
Am 22.4.2026 besuchte der Studiengang Soziale Arbeit die Gedenkstätte Steinhof, dieser ist ein wichtiger Erinnerungsort an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen.
Die Gedenkstätte befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen „Spiegelgrund“ im Krankenhaus Steinhof (heute Teil des Otto-Wagner-Areals). Während der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich die Anlage ab 1938 zu einem Wiener Zentrum der nationalsozialistischen Tötungsmedizin, der mindestens 7.500 Patientinnen und Patienten zum Opfer fielen.
Von 1940 bis 1945 bestand auf dem Anstaltsgelände unter der Bezeichnung „Am Spiegelgrund“ eine sogenannte Kinderfachabteilung, in der rund 800 kranke oder behinderte Kinder und Jugendliche, mit der Diagnose „unbrauchbar“ und „unerziehbar“, systematisch ermordet oder misshandelt wurden.
Die Geschehnisse auf dem Gelände der Anstalt Steinhof können im Pavillon V sowie auf der Website www.gedenkstaettesteinhof.at nachgelesen werden.
Shades Tours
Am 21.04.2026 besuchten wir die Shades Tours Wien „Armut und Obdachlosigkeit“. Anhand zahlreicher Orte im 1. Bezirk gab uns Alfred, unser Guide, Einblicke in sein Leben und erzählte uns von seiner eigenen Geschichte in der Obdachlosigkeit. Er verdeutlichte uns dabei wie schnell man in eine soziale Notlage geraten kann und dass, das jeden treffen kann. Wir empfanden Alfred als sehr authentisch und können die Shades Tours in Wien nur weiterempfehlen.
Besuch der Gedenkstätte Hartheim
Im Rahmen des AFG „Vertiefung menschenrechtlicher und politischer Aspekte der Sozialen Arbeit“ besuchten wir die Gedenkstätte Hartheim und nahmen an einem Rundgang sowie dem Vermittlungsprogramm „Der optimierte Mensch“ teil. Zu Beginn setzten wir uns mit der historischen Einordnung der NS-„Euthanasie“-Verbrechen auseinander, wobei wir bereits im Vorfeld durch Videos an der FH vorbereitet wurden.
Im Anschluss reflektierten wir anhand von Bildmaterial unterschiedliche gesellschaftliche Vorstellungen vom „optimierten“ Menschen und deren Veränderung im Laufe der Zeit. Die Führung durch die Gedenkstätte sowie die Ausstellung „Wert des Lebens“ machte deutlich, wie Menschen damals systematisch nach vermeintlichen Nützlichkeits- und Wertkriterien beurteilt, ausgegrenzt und ermordet wurden. Besonders eindrücklich war für uns auch die Erkenntnis, dass die betroffenen Menschen in Hartheim häufig nur rund drei Stunden lebend verbrachten, eine Zeitspanne, die in etwa der Dauer unserer Führung entsprach und dadurch die Dimension des Geschehens auf beklemmende Weise greifbar machte.
Abschließend setzten wir uns noch mit der Frage auseinander, welche Kriterien Menschen heute, ob bewusst oder unbewusst, noch immer zur Bewertung anderer heranziehen.
Der Besuch bot einen wichtigen Beitrag zur kritischen Reflexion menschenrechtlicher Grundhaltungen und zur Sensibilisierung für die Verantwortung Sozialer Arbeit im Umgang mit Vielfalt und Menschenwürde.
Ausflug zum Parlament nach Wien
Im Rahmen unseres Ausflugs besuchten wir das Parlament in Wien, das uns bereits beim Betreten durch seine imposante Architektur und beeindruckende Atmosphäre faszinierte. Die Größe und die Bedeutung des Gebäudes machten den Besuch zu einem besonderen Erlebnis.
Unsere Führung wurde von David Stögmüller geleitet, der uns mit viel Engagement und Offenheit durch das Parlament führte.
Besonders positiv aufgefallen sind uns seine ehrlichen und direkten Worte, durch die wir einen authentischen Einblick in die politische Arbeit und aktuelle Themen erhalten konnten.
Insgesamt war der Ausflug ins Parlament eine sehr wertvolle Erfahrung, die uns nicht nur neue Eindrücke vermittelt, sondern auch unser Interesse an politischen und gesellschaftlichen Themen gestärkt hat.