Welser Studierende von Architektur und Bauingenieurwesen der FH Oberösterreich trainieren vom Start weg das fachliche Miteinander
Integrierte Ausbildung angehender Architekt*innen und Bauingenieur*innen
Die Studierenden aus Architektur und Bauingenieurwesen des Campus Wels der FH Oberösterreich Bildrechte: FH OÖ
Ob es sich um die Glaspyramide des Louvre in Paris oder das Münchner Olympiastadion handelt – an ikonischen Bauten wie diesen ist abzulesen, was es für deren Entstehen braucht: Die gestalterische Kraft der Architektur im Einklang mit dem Bauingenieurwesen, das den Entwurf erst Wirklichkeit werden lässt. Am Campus Wels der FH Oberösterreich verzahnen bereits die Studienpläne die beiden Disziplinen. Um dieses konzeptionelle Miteinander auch mit Leben zu erfüllen, starteten die erstsemestrigen Studierenden der Studiengänge Architektur und Bauingenieurwesen ihre Ausbildung gleich mit einem gemeinsamen dreitägigen Workshop auf der Edtbauernalm in Hinterstoder.
Das interdisziplinäre Miteinander der beiden Disziplinen gedeiht am besten auf einer sozialen Basis. So starteten 54 Studierende und fünf Lehrende am dritten Studientag „outdoor“ ihre Mission Studium. Die Studierenden wurden in vier Gruppen eingeteilt, die abwechselnd mit den FH-Professor*innen an verschiedenen Themen gearbeitet haben.
„Brücken bauen“ im doppelten Sinne Unter der Leitung von FH-Prof. Dr.-Ing. Stefan Jaksch und FH-Prof. Dr.-Ing. Khaled Saleh Pascha absolvierten die Erstsemestrigen in zwei Gruppen ihren allerersten Stegreif im Fach Entwerfen. In interdisziplinären Tandems entwarfen und bauten sie filigrane Brückenmodelle mit 70 cm freier Spannweite aus minimalen Materialressourcen. Anschließend wurden die Tragwerke präsentiert, präzise vermessen und in einem Belastungstest auf Biegesteifigkeit und Effizienz geprüft. Ziel war das Erleben der Synergie aus gestalterischer Formgebung sowie statischer Tragfähigkeit – und damit das Zusammenwirken von Architektur und Bauingenieurwesen am praktischen Beispiel.
Naturgefahren beherrschen Eine wichtige Kompetenz im Bauwesen ist es, Naturgefahren zu beherrschen. Daher hat sich eine dritte Gruppe unter der Leitung von FH-Prof. DI Dr. Sophie Messerklinger erste Kompetenzen aus diesem Bereich angeeignet. Es wurden geologische Karten studiert und ein Speichersee besichtigt, zu welchem die Studierenden auch Querschnitte zeichnen mussten.
Tragfähiges Ausbildungskonzept im Praxistest Die Aufgabe von FH-Prof. DI Dr. Werner Hochhauser und Josef Steinmair an die Studierenden lautete, eine Brücke mit einer Spannweite von fünf Metern zu bauen und zur Belastungsprüfung auch zu begehen. Um die zuvor numerisch berechneten Durchbiegungen zu reduzieren und die Tragfähigkeit zu erhöhen, errichteten die Studierenden dann ein doppeltes Hängewerk, welches erneut belastet, vermessen und analysiert wurde. Die handwerklichen Herausforderungen kamen hier ebenso wenig zu kurz wie die soziale Komponente an allen drei Tagen auf der Edtbauernalm.
„Der dreitägige Workshop wurde durch die finanzielle Unterstützung der Landesinnung Bau OÖ, der Wirtschaftskammer Österreich und des FH-Fördervereins ermöglicht. Für dieses Engagement sind wir sehr dankbar, da Veranstaltungen dieser Größenordnung nur gemeinsam mit starken Partnern aus der Wirtschaft Jahr für Jahr möglich sind“, sagt FH-Prof. Werner Hochhauser, Studiengangsleiter für Bauingenieurwesen. FH-Prof, Saleh Pascha, Studiengangsleiter für Architektur, hob hervor, dass die Studierenden „ab Tag drei ihres Studiums lernen, Ästhetik und Tragwerkslehre als Einheit zu denken. Gute Architektur und fundierte Ingenieurskunst entstehen nicht nacheinander, sondern im ständigen Dialog.“ Die gebauten Brückenmodelle zeigen für ihn eindrucksvoll, wie viel kreative Energie freigesetzt werde, wenn Architektur und Bauingenieurwesen von Beginn weg an einem Strang ziehen.
„Welser Modell“ zur Ausbildung von Architekt*innen und Bauingenieur*innen Das „Welser Modell“ sieht ein gemeinsames erstes und weitgehend identes zweites Semester beider Studiengänge vor. Dies ermöglicht nach Maßgabe freier Plätze einen flexiblen Wechsel des Studiums nach dem ersten oder, mit Einschränkungen, nach dem zweiten Semester. HTL-Absolvent*innen aus dem Bauwesen steigen direkt ins zweite Semester ein.
Der besondere Clou: Werden im Studium einige Lehrveranstaltungen freiwillig dazu belegt, kann nach dem Bachelor-Abschluss und zwei weiteren Semestern auch der jeweils andere Studienabschluss erworben werden.
Für die Bauwirtschaft entstehen dadurch wertvolle Synergien durch akademisch breit ausgebildete Expert*innen, die Projekte aus multiplen Perspektiven betrachten können.
„Studieren probieren“ am 27. November Dieses Ausbildungsmodell können Interessierte laufend in Form von Schnuppertagen kennenlernen. Ganz besonders bietet sich dafür der Infotag der FH Oberösterreich an – am Campus Wels findet dieser am 27. November von 09-17 Uhr statt.
Die Studierenden des Bauingenieurwesen errichteten ihrerseits Brücken, die das Gewicht der jeweiligen Projektgruppe tragen konnte. Bildquelle: FH OÖ
Auf der Edtbaueralm gestalteten die Architekturstudierenden verschiedene Brückenmodelle. Bildquelle: FH OÖ
Die Studierenden aus Architektur und Bauingenieurwesen des Campus Wels der FH Oberösterreich Bildrechte: FH OÖ