Vom Austauschstudenten zum Doktor der Ingenieurwissenschaften
Francisco Delfins Weg vom Austauschstudenten zum Doktor der Ingenieurwissenschaften ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie internationale Mobilität eine berufliche Laufbahn prägen kann.
v.l.n.r.: FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl MBA (Hochschulpräsident und Geschäftsführer der FH OÖ), Dr Francisco Delfin, FH-Prof. PD DI Dr. Johann Kastner (Vizepräsident für Forschung an der FH OÖ)
Er kam im Wintersemester 2015/2016 im Rahmen des Ernst-Mach-Stipendiums nach Oberösterreich; was als kurzer akademischer Austausch begann, entwickelte sich bald zu einer beständigen und prägenden wissenschaftlichen Laufbahn, die von Engagement, Zusammenarbeit und Innovation geprägt ist.
Während seines ersten Aufenthalts an der Fachhochschule Oberösterreich, Campus Wels, arbeitete er an dem Projekt „Oberflächeneigenschaften und tribologisches Verhalten von dicken Kohlenstoffschichten auf verschiedenen Stählen“ und legte damit den Grundstein für seine zukünftige Forschungskarriere. Diese Ergebnisse bildeten später die Grundlage für seine Masterarbeit, die er 2018 in Argentinien erfolgreich verteidigte und damit seinen Abschluss in Elektromechanik erwarb.
Seine Verbindung zu Österreich vertiefte sich im Laufe der Zeit immer weiter: 2021 kehrte er als Doktorand im Rahmen des „Ernst Mach Worldwide Grant“ zurück, gefolgt von einem weiteren Forschungsaufenthalt von September 2022 bis Februar 2023. Diese Zeiträume erwiesen sich als äußerst produktiv und führten zu mehreren begutachteten Veröffentlichungen sowie Vorträgen auf internationalen Konferenzen in Argentinien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Portugal und den Vereinigten Staaten.
Forschung, Zusammenarbeit und wissenschaftliche Wirkung
Franciscos Werdegang ist eng mit einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen der FH Oberösterreich und seiner Heimatuniversität, der Universidad Tecnológica Nacional (UTN) in Argentinien, verbunden – eine Partnerschaft, die seit 2008 besteht und durch Austauschprogramme, gemeinsame Publikationen und gegenseitige Besuche gefestigt wurde. Durch sein Engagement hat sich diese Zusammenarbeit weiter ausgebaut und Forschungsgruppen in ganz Europa und darüber hinaus miteinander vernetzt.
Nach mehreren erfolgreichen Forschungsaufenthalten wechselte er 2022 im Rahmen des Projekts NaKuRe – einer österreichischen Forschungsinitiative, die sich auf die Verbesserung von Kunststoffrecyclingverfahren und die Förderung einer Kreislaufwirtschaft durch besseres Materialdesign und Wiederverwendungsstrategien konzentriert – in eine Vollzeitstelle an der FH Oberösterreich. Im August 2025 verteidigte er seine Doktorarbeit mit dem Titel „Kohlenstoffbasierte DLC-Beschichtungen zum Schutz von Stählen vor Verschleiß und Korrosion“ und erwarb den Titel Doktor der Ingenieurwissenschaften (Dr. Ing.) mit Spezialisierung auf Werkstoffe.
Im Laufe seiner wissenschaftlichen Laufbahn wirkte Francisco auch an weiteren interdisziplinären Projekten an der FH Upper Austria mit. Er war an LaSaGnE beteiligt, einem Projekt, das fortschrittliche polymerbasierte Schichtmaterialien mittels additiver Fertigung (3D-Druck) entwickelt, um neue Materialeigenschaften zu schaffen und dabei den gesamten Lebenszyklus der Produkte zu berücksichtigen. Parallel dazu wirkte er an HOpE mit, einem Projekt, das sich auf die Entwicklung und Optimierung von Batterieelektroden konzentriert, um die Energiespeicherleistung, Effizienz und Haltbarkeit zu verbessern. Diese Projekte sind Teil österreichischer Förderprogramme für angewandte Forschung, die durch nationale Forschungsprogramme und Förderagenturen wie die FFG sowie regionale Innovationsprogramme unterstützt werden.
Seitdem hat er weiterhin an Forschungsinitiativen wie LaSaGnE und HOpE mitgewirkt und vier begutachtete Artikel in renommierten Fachzeitschriften mitverfasst; mehrere weitere befinden sich derzeit in Arbeit.
Über seine eigenen Forschungsleistungen hinaus engagiert sich Francisco aktiv für die Betreuung der nächsten Generation internationaler Studierender. Er hat bereits einen argentinischen Studenten betreut, der im Wintersemester 2023/2024 mit demselben Stipendium nach Österreich kam, das einst auch ihn hierhergeführt hatte. Der Student steht nun kurz vor der Verteidigung seiner Masterarbeit. Francisco sieht darin eine Möglichkeit, etwas zurückzugeben – anderen dabei zu helfen, dieselben akademischen und kulturellen Chancen zu erleben, die seinen eigenen Weg geprägt haben.
Sein Betreuer, Dr. Daniel Heim, betont: „Francisco ist ein außerordentlich fleißiger und talentierter Student und mittlerweile ein geschätztes Mitglied unseres Teams. Er leistet einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung neuer Plasmabeschichtungsverfahren und zur Weiterentwicklung von diamantähnlichen Kohlenstoffbeschichtungen mit völlig neuen Eigenschaften. “
Eine Botschaft an zukünftige internationale Studierende
Die Geschichte von Francisco Delfin verdeutlicht die transformative Kraft internationaler Austauschprogramme. Was als einzelnes Auslandssemester begann, entwickelte sich zu einer langfristigen akademischen Partnerschaft, einer erfolgreichen Forschungskarriere und einer dauerhaften Verbindung zur FH Oberösterreich. Im Rückblick auf seinen Werdegang hebt Francisco die persönlichen Herausforderungen und die persönliche Weiterentwicklung hervor, die damit einhergingen, seine Komfortzone zu verlassen:
„Trotz der Angst vor dem Unbekannten, der kulturellen Unterschiede zwischen Lateinamerika und Europa und der stets schwierigen sprachlichen Herausforderungen, die vor mir lagen, hat meine Zeit in Österreich nicht nur mein Leben und meinen beruflichen Werdegang verändert, sondern auch meinen Horizont erweitert und mir geholfen, ein besserer, toleranterer, geduldigerer und einfühlsamerer Mensch zu werden. “
Sein Werdegang verdeutlicht zudem, wie wichtig es ist, etwas zurückzugeben – zukünftige Studierende zu unterstützen und internationale Kooperationen aufrechtzuerhalten. Er vermittelt internationalen Studierenden die klare Botschaft, dass Auslandsaufenthalte zu lebensverändernden Wegen werden können, wenn man sie mit Neugier, Engagement und Ausdauer angeht.
F. Delfin leaving his home university in Argentina in 2022
PhD defence
Francisco Delfin working in the lab with the plasma coating system