Globale Risiken nehmen zu: FH Oberösterreich setzt verstärkt auf Forschung zum Thema Sicherheit
Call des Landes Oberösterreich bringt Förderung über 4,1 Mio Euro für sechs Projekte mit Beteiligung der FH Oberösterreich
Der Rettungsroboter der FH Oberösterreich in der Demonstration
Bildrechte: FH OÖ
Die Risiken nehmen global gesehen zu. Verantwortlich dafür sind geopolitische, klimatische oder soziale Faktoren ebenso wie disruptive Technologien. In Europa steigen daher die Investitionen in die Sicherheit auf verschiedensten Ebenen. Die Grundlage für verbesserte Sicherheitslösungen ist einschlägige Forschung. Um insbesondere Risiken durch geopolitische Herausforderungen besser begegnen und zugleich auch die wirtschaftlichen Chancen von neuen Sicherheitslösungen und -anwendungen nutzen zu können, hat das Land Oberösterreich hat die Förderschiene „Security Technologies & Solutions“ ins Leben gerufen. An sechs von elf der final mit Landes-Fördergeldern bedachten Projekten ist die FH Oberösterreich beteiligt. Das Spektrum reicht von der Robotik im Katastrophenschutz über die Seuchenkontrolle bis hin zur Abwehr von Cyberangriffen.
„Anwendungsorientierte Forschung ist ein entscheidender Schlüssel, um den Herausforderungen und Risiken unserer Zeit wirksam zu begegnen“, betont FH-Prof. Michael Rabl, Hochschulpräsident der FH Oberösterreich. Ob Pandemien, Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen oder die Auswirkungen des Klimawandels – entscheidend sei, innovative Lösungen nicht erst im Krisenfall zu entwickeln, sondern deren Einsatzfähigkeit bereits im Vorfeld sicherzustellen. „Gerade die Stärke der FH Oberösterreich liegt darin, wissenschaftliche Erkenntnisse gemeinsam mit Unternehmen und Forschungspartner rasch in praxistaugliche Technologien und Anwendungen zu überführen. So schaffen wir Innovationen, die Resilienz stärken und einen konkreten Mehrwert für Wirtschaft und Gesellschaft leisten.“
Ein wirksamer Impuls für Innovationen kam durch den „Sicherheits-Call“ des Landes Oberösterreich. „Forschung im Bereich Sicherheit bringt gleich zweifachen Vorteil: Wir können uns besser vor Gefahren schützen, durch einschlägige Investitionen aber auch wirtschaftlich profitieren“, sagt FH-Prof. PD Johann Kastner, Vizepräsident der FH Oberösterreich für Forschung und Entwicklung. „In der angewandten Forschung“, so Kastner weiter, „sind Unternehmen wie Anwender*innen gleich von Anfang an integriert. Das bedeutet, die Wege von der Idee zu praxistauglichen Produkten und Lösungen sind so kurz wie möglich.“
Der Pool der Projektpartner zum Thema Sicherheit reicht daher von den Firmen Rosenbauer oder PWC über das Software Competence Center Hagenberg (SCCH) und die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) bis hin zur oberösterreichischen Feuerwehr.
Die sechs Projekte mit FH-Beteiligung haben ein Fördervolumen von 4,1 Millionen Euro, wovon 1,06 Millionen Euro unmittelbar auf die FH Oberösterreich selbst entfallen.
Große Exportchancen im Bereich Sicherheit – „Dual Use“ im Fokus
„Die EU plant im Rahmen von „Readiness 2030“ Investitionen in den Bereich Sicherheit und Verteidigung in der Höhe von bis zu 800 Milliarden Euro. Das eröffnet gerade für Oberösterreich neue wirtschaftliche Chancen, weil unsere Region genau jene Stärken mitbringt, die jetzt gefragt sind: Von moderner Produktion über innovative Technologien bis hin zur Fähigkeit, industrielle Prozesse rasch zu skalieren“, kommentiert Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner die Motivation des Landes Oberösterreich zu diesem Fördercall. Bei der Ausschreibung standen laut Landesrat Achleitner insbesondere auch Dual-Use-Technologien – also solche, die sowohl für militärische wie auch für zivile Zwecke angewendet werden können – im Fokus.
Bei der Ausschreibung standen laut Achleitner auch Dual-Use-Technologien – also solche, die sowohl für militärische wie auch für zivile Zwecke angewendet werden können – im Fokus.
„Das Land Oberösterreich sieht die Förderung von Forschungsprojekten im Bereich Sicherheit als Teil ihrer Verantwortung gegenüber den Bürger*innen. Wir stärken damit unsere Resilienz und unsere Fähigkeit zur Gefahrenabwehr. Der große Erfolg der FH Oberösterreich zeigt aber, wie wichtig es ist, die Forschungsergebnisse unmittelbar in markttaugliche Innovationen zu übersetzen. Als exportorientierte Region dürfen wir nicht vergessen: Bei der Sicherheit handelt es sich auch um eine wirtschaftliche Wachstumsbranche“, sagt Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner.
Die geförderten Projekte mit Beteiligung der FH Oberösterreich im Überblick:
LARX - Lauf- und Rettungsrobotik für komplexe Einsatzszenarien
Projektpartner: Rosenbauer, OÖ Feuerwehr, Feuerwehr Wels, pool3
FH-Projektverantwortlicher: Raimund Edlinger – Fakultät Wels
Das Projekt LARX adressiert die wachsenden Herausforderungen im Katastrophen- und Rettungswesen, bei denen Einsatzkräfte zunehmend mit komplexen, gefährlichen und dynamischen Einsatzszenarien wie Gebäudeeinstürzen, Tunnel- und Industrieunfällen oder Gefahrstoffaustritten konfrontiert sind. Für eine schnelle, sichere und fundierte Lagebeurteilung fehlen derzeit integrierte robotische Systeme, die Erkundung, Messung und Personenrettung in einem durchgängigen Einsatzkonzept vereinen. Bestehende Lösungen sind meist auf einzelne Plattformen beschränkt, verfügen über keine durchgängige Sensorfusion, nur eingeschränkt robuste Kommunikationslösungen und kaum über validierte Ansätze zur schonenden robotischen Aufnahme und Bergung verletzter oder eingeschlossener Personen. Daraus ergibt sich ein klarer Bedarf an neuen Sicherheitstechnologien, die sowohl die Sicherheit der Einsatzkräfte erhöhen, als auch die Rettungssituation der Betroffenen verbessern.
Ziel von LARX ist die Entwicklung eines integrierten, modularen Robotiksystems für Extremeinsätze und dessen Demonstration bis Technology Readiness Level 6 (TRL 6). Im Mittelpunkt stehen ein Laufroboter zur autonomen Erkundung und Gefahrstoffmessung sowie ein spezialisierter raupenbasierter Rettungsroboter mit einem weiterentwickelten, biomechanisch sicheren Aufnahme- und Transportmechanismus. Multimodale Sensorik zur Gefahrstoff-, Umwelt- und Personendetektion wird in Echtzeit fusioniert und zu einem taktisch verwertbaren Lagebild aufbereitet.
ARESS- KI-basiertes Reaktions- und Notfall-Unterstützungssystem für Feuerwehr-Einsätze
Projektpartner: Mopius Mobile GmbH
FH-Projektverantwortlicher: Marc Kurz – Fakultät Hagenberg
Feuerwehreinsätze sind sicherheitskritische, hochdynamische Situationen, in denen Führungskräfte unter erheblichem Zeitdruck und Informationsunsicherheit Entscheidungen treffen müssen. Gleichzeitig stehen heute umfangreiche digitale Einsatzdaten zur Verfügung, die bislang kaum systematisch für eine intelligente Entscheidungsunterstützung genutzt werden. Ziel des Projekts ARESS (AI-based Response & Emergency Support System) ist die Erforschung und Entwicklung eines KI-gestützten Assistenzsystems zur Unterstützung von Feuerwehreinsätzen über alle relevanten Einsatzphasen hinweg.
Das Projekt verfolgt einen industriell-forschungsorientierten Ansatz und kombiniert datengetriebene KI-Methoden, wissensbasierte Modelle und Human-Centered-AI-Konzepte. ARESS adressiert vier zentrale Phasen eines Einsatzes: prädiktive Einsatzanalyse vor der Alarmierung, Entscheidungsunterstützung bei Alarmierung und Ausrücken, KI-gestützte Einsatzführungsunterstützung während des Einsatzes sowie automatisierte Einsatznachbereitung und Wissensrückführung. Dabei steht nicht die Automatisierung von Entscheidungen, sondern die erklärbare, kontextabhängige Unterstützung von Führungskräften im Fokus.
PUMBAA - Plattform für Unbemannte Messsysteme zur Bewertung Aerogener Agenzien
Projektpartner: FH Kufstein, Immotech OP GmbH
FH-Projektverantwortlicher: David Christian Schedl – Fakultät Hagenberg
PUMBAA – Plattform für Unbemannte Messsysteme zur Bewertung Aerogener Agenzien – entwickelt eine integrierte drohnenbasierte Plattform für das Management von Tierseuchen und die Überwachung von Quarantänezonen. Das System vereint erstmals die automatisierte Kadaverdetektion mittels innovativer Gassensorik mit der Personendetektion zur Quarantäneüberwachung und adressiert damit zwei kritische Aufgaben der Seuchenbekämpfung in einer Lösung.
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt stetig näher an Österreich heran – der nächste bestätigte Ausbruch bei Wildschweinen liegt nur 87 km von der Staatsgrenze entfernt. Die Landwirtschaftskammer beziffert den potenziellen wirtschaftlichen Schaden auf rund 250 Millionen Euro. Parallel erreichte die hochpathogene Aviäre Influenza 2025/26 mit 2.896 Nachweisen in 29 europäischen Ländern einen Rekordstand, wobei erstmals auch ein oberösterreichischer Geflügelbetrieb betroffen war. Beide Tierseuchen erfordern bei Ausbrüchen die Einrichtung von Quarantänezonen und die systematische Kadaversuche. Die bestehenden Methoden – Menschenketten, Kadaversuchhunde und Drohnen mit Wärmebildkameras – sind kostenintensiv, zeitaufwändig und bei älteren Kadavern ineffektiv: Wärmebildkameras funktionieren nur etwa zwei Wochen nach dem Tod, während das Virus in Kadavern monatelang infektiös bleibt. Gleichzeitig fehlen integrierte Lösungen zur Überwachung der eingerichteten Quarantänezonen, deren Wirksamkeit von der konsequenten Fernhaltung unbefugter Personen abhängt.
Vor diesem Hintergrund entwickelt PUMBAA prototypisch mehrere Kerninnovationen: eine Gassensor-basierte Kadaverdetektion über Verwesungsgase wie Cadaverin, Putrescin und Skatol, die unabhängig von Temperaturdifferenzen auch ältere Kadaver auffinden kann; ausbringbare Sensor-Nodes (Digi-Nasen) für die stationäre Langzeitüberwachung von Verdachtsgebieten; eine KI-gestützte adaptive Flugplanung mit Echtzeit-Optimierung basierend auf Messdaten, Geländecharakteristik und Windverhältnissen; eine Deep-Reinforcement-Learning-basierte Schwarmkoordination mit innovativer Coverage Path Planning für effiziente Flächenabdeckung durch Drohnenschwärme; multimodale Sensorfusion von Gas-, Wärme- und visuellen Daten für robuste Detektion; eine integrierte Personendetektion zur Quarantäneüberwachung mit automatisierter Alarmierung sowie KI-basiertes Wildtiermonitoring für epidemiologische Analysen betroffener Tierspezies. Die Technologie ist bewusst seuchen-unspezifisch konzipiert und kann bei ASP in Waldgebieten ebenso wie bei Vogelgrippe entlang von Gewässern eingesetzt werden.
SENTRA -Skalierbares Netzwerk für vertrauenswürdige Datenabfrage und -analyse
Projektpartner: AGES, X-Net Services
FH-Projektverantwortlicher: Oliver Krauss – Fakultät Hagenberg
Betrugsphänomene im Internet – darunter Fake-Shops, Scam-Maschen, Crypto-Handelsbetrug und der Vertrieb gesundheitsgefährdender Produkte über Online-Kanäle – betreffen Bürgerinnen und Bürger zunehmend. Gleichzeitig verlagern sich Informations- und Kaufprozesse auf KI-basierte Such- und Empfehlungssysteme (Large Language Models, Agenten), deren Ergebnisse neue Angriffsflächen für Betrug und Manipulation eröffnen. Bestehende Monitoring- und Analysewerkzeuge sind entweder plattformabhängig, intransparent oder auf einzelne Bedrohungsklassen beschränkt. Eine integrierte, souveräne Forschungsinfrastruktur, die von der Datenerhebung bis zur evidenzbasierten Handlungsempfehlung reicht, fehlt bislang.
SENTRA erforscht nun eine skalierbare, ereignisgetriebene Infrastruktur zur souveränen Gewinnung, Analyse und Bewertung sicherheitsrelevanter Daten aus großen Online-Plattformen (Very Large Online Platforms, VLOPs).
QRYPTOS – Quanten-Risikoanalyse und -bewertung für Verschlüsselungssysteme
Projektpartner: SCCH (Koordinator), PWC, CPSD
FH-Projektverantwortlicher: Thomas Grurl – Fakultät Hagenberg
Der Fortschritt im Quantencomputing stellt die kryptografischen Grundlagen aktueller digitaler Infrastrukturen infrage. Die Sicherheit asymmetrischer Kryptografie wird den Fähigkeiten zukünftiger Quantencomputer mit ausreichender Leistungsfähigkeit voraussichtlich nicht standhalten. Die zugrunde liegenden mathematischen Probleme sind durch Quantenalgorithmen wie Shor effizient lösbar. Damit sind zentrale Mechanismen zur Absicherung von Kommunikation, Authentifizierung und langfristiger Datenspeicherung betroffen. Das Risiko betrifft auch bereits übertragene oder archivierte Daten, da Angreifer zunehmend „Harvest-now-decrypt-later“ (HNDL)-Strategien verfolgen. Aus diesem Bedrohungsszenario leiten sich erhebliche Risiken im Bereich der CIA-Triade (Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit) sowie der Einhaltung regulatorischer Rahmenwerke wie NIS2 1 und DORA 2 für Unternehmen, Behörden und kritischen Infrastrukturen ab.
Das Projekt QRYPTOS adressiert die oben genannten Anforderungen in zwei komplementären Ansätzen. Beim Ersten werden quantenbezogene Risiken experimentell untersucht, um die Machbarkeit und Auswirkungen quantenunterstützter Angriffe unter realistischen Annahmen aufzuzeigen. Dies schafft eine belastbare Grundlage für die Risikobewertung, Priorisierung und Compliance. Parallel dazu wird ein formales Migrationsframework entwickelt, das abbildet, wie Sicherheits-, Vertraulichkeits- und regulatorische Anforderungen (DSGVO, NIS2, DORA) über verschiedene Migrationszustände hinweg eingehalten werden können. Das Framework unterstützt regelmäßige Neubewertungen, die Integration neuer PQC-Standards und die dynamische Anpassung von Migrationspfaden.
LA-MARR: Erforschung von leichten, reparaturfähigen Schutzsystemen aus Aluminium-Verbunden für militärische Fahrzeuge. Fokus liegt auf Mobilität und nachhaltiger Werkstoffnutzung.
Projektpartner: LKR Leichtmetallkompetenzzentrum Ranshofen GmbH (Projektleitung), FH OÖ Forschungs & Entwicklungs GmbH, INO GmbH
FH-Projektverantwortlicher: Christoph Burgstaller – Fakultät Wels
Militärische Fahrzeuge sind zum Schutz von Besatzung und Systemkomponenten im Frontbereich gepanzert. Die derzeit dafür eingesetzten Materialien erhöhen zwar das Schutzniveau, reduzieren aber Mobilität, Transportfähigkeit und Einsatzmöglichkeiten - zum Beispiel auf weichem Untergrund oder Brücken. Das Projekt LA-MARR entwickelt leichtmetallbasierte Schutzsysteme aus innovativen Werkstoffen wie Aluminium-Verbunde. Sie werden auch experimentell mittels standardisierter Beschussversuche getestet. Die neuen Werkstoffe sollen Gefechtsfahrzeuge leichter machen, definierte Schutzklassen erzielen sowie reparaturfähig sein. Im Fokus steht auch eine nachhaltige Werkstoffnutzung.
Ohne Menschenleben zu gefährden, können Rettungsroboter in ungesicherten Situationen eingesetzt werden.
Bildquelle: FH OÖ
Ein weiterer Rettungsroboter der FH Oberösterreich
Bildquelle: FH OÖ
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