Forschungsstärke unterstützt österreichweite Bemühungen um eigenständiges Promotionsrecht für FH/HAW
FH Oberösterreich bringt 17 erfolgreiche Neo-Doktor*innen im Jahr 2025 hervor
Die Stärke der FH Oberösterreich in der Angewandten Forschung bildet die Basis für erfolgreich abgeschlossene Dissertationen. Bildquelle: Bernhard Plank imBilde
Die Fachhochschulen (FH) und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) ziehen in einer Sache besonders intensiv an einem Strang: Sie beanspruchen das derzeit nur Universitäten vorbehaltene Recht, Doktorgrade zu verleihen, auch für sich. Die FH Oberösterreich ist darauf sehr gut vorbereitet. Das bezeugen unter anderem 17 erfolgreich abgeschlossene Doktoratsstudien ihrer Mitarbeiter*innen alleine im Jahr 2025. Mangels eigenen Promotionsrechts beruhen diese aktuell neben der FH-eigenen Forschung noch auf Partnerschaften mit nationalen und internationalen Universitäten.
Im Falle von Raimund Edlinger hieß der Kooperationspartner Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Edlinger forscht am Campus Wels der FH Oberösterreich an intelligenten Robotersystemen für den Katastrophenfall: „Meine Motivation für eine Dissertation in der Rettungsrobotik lag in dem Ziel begründet, einen wissenschaftlichen Beitrag für das Feuerwehrwesen der Zukunft zu leisten.“ An der FH Oberösterreich konnte der Robotik-Experte im Rahmen seiner Forschung frei an der Dissertation arbeiten. Außerdem wurde er bei den notwendigen wissenschaftlichen Publikationen, der internationalen Vernetzung und durch den konstanten fachlichen Austausch unterstützt. Die Zusammenarbeit mit der Universität im bayerischen Würzburg beschreibt Edlinger als „auf Augenhöhe“, vom dortigen Professor Andreas Nüchter profitierte er insbesondere in der 3D-Kartierung und der Robotik.
Auf einem anderen Gebiet hat Taha Falatouri, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Logistikums am Campus Steyr, dissertiert. Auf der Basis von Big Data-Analysen hat er Kundenerlebnisse im Einzelhandel wissenschaftlich untersucht und seine Doktorarbeit an der Tomas Bata Universität im tschechischen Zlin eingereicht. Auch Falatouri erfuhr eine engmaschige Betreuung seiner Dissertation durch die FH Oberösterreich. „Das Dissertationsthema deckte sich mit einem unserer FH-Projekte, wodurch wir eine Publikation in diesem Bereich veröffentlichen konnten, die bis heute über 150-mal zitiert wurde“, ist der Retail-Experte stolz. Die Zusammenarbeit mit der Universität in Tschechien beschreibt er als „reibungslos sowie gut koordiniert und geplant“.
Forschungsstärke und Nachwuchsförderung gehen Hand in Hand Hochschulpräsident FH-Prof. Michael Rabl sieht vor allem die Stärke „seiner“ FH Oberösterreich in der Angewandten Forschung & Entwicklung als ideale Voraussetzung für eigenständige Doktorate in ausgewählten Schwerpunktthemen. „Unsere 17 Doktorand*innen kommen aus allen Fakultäten. Basis ist die qualitätsvolle Angewandte Forschung, die wir mit Unternehmen und Institutionen betreiben“, unterstreicht Rabl die wissenschaftliche Exzellenz seiner Hochschule. Der für Forschung & Entwicklung zuständige Vizepräsident FH-Prof. PD Johann Kastner verweist auf deutlich mehr als 500 laufende Forschungsprojekte jährlich: „Diese Vielzahl an Projekten bieten unseren Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen nicht nur eine gut bezahlte Anstellung, sondern auch die Möglichkeit, eine eigene Doktorarbeit innerhalb eines Projektes voranzutreiben. Davon profitieren häufig auch die beteiligten Firmen.“
Bundesweite Bemühungen um Promotionsrecht Rabl und Kastner stehen voll hinter den Bestrebungen der bundesweiten Fachhochschulkonferenz (FHK), die ein eigenständiges Recht für FH/HAW zur Vergabe von Doktoraten zum Ziel haben. „Dadurch könnten noch mehr talentierte Wissenschaftler*innen in ihrer Entwicklung gefördert und an unsere Regionen und Hochschulen gebunden werden“, sagen beide und geben damit auch zu bedenken, dass eigenständige Promotionen an FH/HAW insgesamt für mehr Forschende einen wissenschaftlichen Karrierepfad in Österreich eröffnen und so der Abwanderung Einhalt gebieten würden.
„Nicht unterschätzen dürfen wir hier vor allem die Konkurrenz zu FH/HAW in Süddeutschland, wo es bereits das in Österreich noch ausstehende Promotionsrecht gibt“, merkt Präsident Rabl weiter an, „Unsere Absolvent*innen und zukünftige Forschenden könnten diese Hochschulen, zum Nachteil des heimischen Wissenschaftsstandortes, als leicht zugängliche Alternativen in Betracht ziehen“.