FH Oberösterreich erringt gegen starke Konkurrenz drei Millionen Euro vom Bund für die Forschung an Zukunftsthemen
Nachhaltigkeitsziele mit technologischen Mitteln erreichen
Hochschulpräsident Michael Rabl und Vizepräsident Johann Kastner (v.l.) freuen sich über die Erfolge von Forscher*innen der FH Oberösterreich im Wettbewerb um neue Forschungsgelder. Bildrechte: Zoe Goldstein
Für drei neue Forschungsprojekte fließen insgesamt fast drei Millionen Euro an Fördermitteln an den Campus Wels der FH Oberösterreich. Profitieren wird der Bereich Werkstoffe ebenso wie das erst im Vorjahr eröffnete Wasserstoff-Forschungszentrum. Konkret erhalten die erfolgreich eingereichten Projekte Geld aus dem Förderprogramm „FH-Forschung für die Wirtschaft 2026“ des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET). Das Programm zielt auf die Stärkung von Forschungskompetenzen an Fachhochschulen und wird von der bundesweiten Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt. Insgesamt wurden in ganz Österreich nur 12 von 52 eingereichten Projekten gefördert. Zahlreiche Unternehmen dürfen sich auf wichtige Impulse aus der angewandten Forschung freuen, die ihre Konkurrenzfähigkeit stärkt.
Zuverlässige Materialien für Transport und Speicherung von Wasserstoff Der Einsatz von Wasserstoff wird zunehmend zu einem Schlüssel für eine klimafitte Industrie. Umfangreiche Energiemengen können über große Distanzen effizient transportiert und lange Zeit gespeichert werden. Doch die Sicherheit dieser Transport- und Speichersysteme hängt wesentlich von zuverlässigen Materialien ab. Wasserstoff kann in Metalle, Polymere und Elastomere diffundieren und dort zu Alterung, Versprödung, Rissbildung oder Leckagen führen. Besonders kritisch sind Materialinterfaces wie Membranen, Dichtungen und Schweißnähte.
Trotz umfangreicher Grundlagenkenntnisse fehlen bislang systematische, vergleichbare Untersuchungen dieser Komponenten unter realitätsnahen Betriebsbedingungen sowie übertragbare Prüf- und Bewertungsmethoden. Diese Wissenslücke stellt insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen ein erhebliches Innovationshemmnis dar.
Dr. Julia Thalhammer und ihr Team haben für ihr Projekt „TRUST H2“ in den nächsten vier Jahren gut 1,5 Mio. Euro zur Verfügung, um diese Problematik in Angriff zu nehmen. „Die Zukunft der Wasserstoffwirtschaft hängt“ so Thalhammer „maßgeblich von der Zuverlässigkeit der eingesetzten Materialien ab. Im Projekt TRUST H2 entwickeln wir realitätsnahe Prüfmethoden für kritische Materialinterfaces und überlegen, wie wir die Ergebnisse in die industrielle Anwendung transferieren. Damit schaffen wir belastbare Entscheidungsgrundlagen für Unternehmen und unterstützen die sichere Umsetzung von Wasserstofftechnologien.“ Bereits 17 österreichische Unternehmen unterstützen das Projekt mit Interessensbekundungen.
Komponenten für Wasserstoffanwendungen aus dem 3D-Drucker Ebenfalls nahe am klimafreundlichen Wasserstoff gebaut ist die Forschungsarbeit von Sascha Senck PhD und seinem Partner FOTEC, einem Tochterunternehmen der FH Wr. Neustadt. Forciert werden Lösungen für Unternehmen, welche ihre bestehenden Anlagen wirtschaftlich auf H₂-Anwendungen umrüsten, deren Lebensdauer verlängern und neue Systeme rasch in industrielle Wertschöpfungsketten integrieren wollen.
Hier kommt die Methode der additiven Fertigung ins Spiel: Sie macht komplexe, hochbelastbare und funktionsintegrierte Komponenten möglich, die mit konventionellen Verfahren oft nicht realisierbar sind. Insbesondere für die Wasserstoff-Verbrennung bei hohen Temperaturen sowie bei Hochdruckanwendungen eröffnet der 3D-Druck neue Freiheitsgrade. Das Projekt HyMATec zielt auf den Ausbau anwendungsorientierter Kompetenzen in additiver Fertigung, Simulation, zerstörungsfreier Prüfung und Materialcharakterisierung für H₂-Anwendungen.
„HyMATec ermöglicht die durchgängige Entwicklung und Validierung additiv gefertigter Komponenten für anspruchsvolle Wasserstoffanwendungen. Besonders interessant ist für mich der interdisziplinäre Ansatz, bei dem wir die Expertise von FOTEC und FH Oberösterreich in den Bereichen Prozessentwicklung, numerische Simulation und zerstörungsfreie Prüfung gezielt bündeln“ sagt Sascha Senck zu seiner Motivation für das Projekt. „Wir kreieren“, so der Forscher weiter, „eine anwendungsnahe Entwicklungsplattform, die österreichischen KMU direkten Zugang zu belastbaren Auslegungs-, Prüf- und Optimierungsmethoden für H₂-taugliche Komponenten bietet.“
Innovative Folien für umweltfreundliche Kunststoffverpackungen „Nachhaltigkeit, Umweltschutz und der ökologische wie ökonomische Erhalt unseres Lebensraumes sind für mich persönlich wichtige Themen“ erzählt Dr. Christian Kneidinger, der mit seinem mit 1,162 Mio. Euro dotierten Projekt „NaKuNaBa“ einen Beitrag zur Schonung der Umwelt leisten, gleichzeitig aber auch mithelfen will, „Wertschöpfung und Arbeitsplatze in Österreich und Europa zu sichern.“
Projektziel sind innovative Folien für recycling- und kreislauffähige Kunststoffverpackungen, welche die Vorgaben der EU-Verordnung zu Verpackungen und Verpackungsabfällen (PPWR) erfüllen. Im Fokus stehen Prozesse zur Herstellung kreislauffähiger Kunststofffolien mit signifikant verbesserter dicken- bzw. gewichtsbezogener Barrierewirkung gegenüber Sauerstoff, CO₂ und Wasserdampf sowie guten mechanischen Eigenschaften bei ansprechender Optik und Oberfläche.
Kneidinger formuliert drei technologische Hauptziele. Erstens neue Herstellungsverfahren, die bessere Folien aus bereits etablierten Materialien möglich machen. Zweites Ziel: Verarbeitungsprozesse für alternative Polymerwerkstoffe wie PEF, das den CO2-Fußabdruck gegenüber PET um bis zu 70 Prozent verbessert. Drittes Ziel ist die Kombination der neu entwickelten Prozesse mit den neuen Werkstoffen. „NaKuNaBa“ adressiert zentrale technologische Herausforderungen einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft bei dennoch hoher Verpackungsperformance.
Wer profitiert von dieser Forschung? „Hersteller von Kunststoffverarbeitungsanlagen, Kunststoffverarbeiter und (Lohn-)verpacker“ wie Christian Kneidinger erläutert, Adressaten seien aber „grundsätzlich alle Firmen, die Produkte verpacken“.
Künftige UAP setzt auf praxisnahe Forschung und internationale Ausrichtung „Mit diesen neuen Projekten bauen wir unsere Forschung in den Zukunftsthemen Wasserstoff und Nachhaltige Werkstoffe weiter aus“ freut sich der für Forschung zuständige Vizepräsident FH-Prof. PD Dr. Johann Kastner.
Für Hochschulpräsident FH-Prof. DI Dr. Michael Rabl stehen die neu eingeworbenen Forschungsvorhaben beispielhaft für die strategische Ausrichtung der Hochschule: „Ab Jänner 2027 treten wir als UAP University of Applied Sciences Upper Austria international sichtbarer auf. Diese Positionierung gründet auf unserer starken anwendungsorientierten Forschung, die gemeinsam mit Partnern konkrete Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt.“