Excellent Project Award für FH-Prof. Dr. Georg Löckinger
Erfolgreiche Projekte, Normen und künstliche Intelligenz
Ein Gespräch mit Georg Löckinger
FH-Prof. Mag. Dr. Georg Löckinger Professor für technische Kommunikation
Georg Löckinger ist promovierter Fachübersetzer, Terminologiewissenschaftler und Professor für technische Kommunikation an der FH OÖ. Für seine Arbeit als Projektleiter bei der Überarbeitung der ISO 704:2022 hat er vom ISO/TC 37 „Language and terminology“ einen „Excellent Project Award“ erhalten.
Die in diesem Projekt überarbeitete, fachübergreifende Norm ISO 704:2022 legt die wesentlichen Grundsätze und Methoden für die Erstellung und Zusammenstellung von Terminologien fest. „Für die eigene Selbstwerdung, für das eigene Finden braucht jedes Fachgebiet Begriffsarbeit“, meint Löckinger, und genau deshalb kann die Norm ISO 704:2022 in allen Fachgebieten angewendet werden.
Georg Löckinger koordinierte für die Überarbeitung der ISO 704 Fachleute aus 25 bis 30 Ländern, er hatte dabei ca. 1200 Kommentare abzuarbeiten. Inhaltliche Expertise, das nötige Gespür, seine diplomatische Art und Projektmanagement im Sinne von Einhaltung von Fristen und Terminen haben die Überarbeitung der Norm zum Erfolg geführt.
In die Erstellung und Aktualisierung von Normen stecken Informationsarbeiter*innen viel Arbeitszeit – Aufwand, der im Allgemeinen nicht bemerkt wird. Löckinger unterstreicht dies in seinen Vorträgen unter anderem mit einer Folie, auf der lediglich der folgende Satz steht: „The best standards are those that go unnoticed by their users.“ Seine Erläuterung dazu: „Wir bemerken fehlende Normung erst, wenn etwas nicht funktioniert. Beim Einstecken eines Steckers in die Steckdose denkt niemand an die dahinterliegende Normung“, so Löckinger. „Bei Informationsthemen sind ähnliche Beispiele die überall vorkommenden Sprachkennungen de, en, fr usw. laut der ISO 639:2023 oder auch die ISBN-Kennungen laut der ISO 2108:2017.“
Die Arbeitsgebiete von Informationsarbeiter*inne*n umfassen viele Themenbereiche. Dazu zählen beispielsweise die Grundlagen-Normung, technische Kommunikation sowie Bibliotheken und Archive. Die intellektuelle Arbeit in diesen Themenbereichen wird durch Systeme der künstlichen Intelligenz unterstützt, jedoch können diese sie nicht ersetzen. Für die maschinelle Verarbeitung sind saubere Definitionen von Begriffssystemen, bewährte Schemata und kuratierte Datenbanken essenziell.
Informationsarbeiter*innen spielen hier eine wesentliche Rolle, auch wenn dies im allgemeinen Hype um künstliche Intelligenz oft übersehen wird. „Wir müssen die Tools so vorbereiten, dass sie uns möglichst gute Unterstützung bieten. Dafür ist menschliche Expertise unverzichtbar“, ist sich Löckinger sicher.
Das Gespräch mit Georg Löckinger fand über Microsoft Teams statt und dauerte rund eine Stunde. Viele interessante Aspekte und Gedanken können in diesem Beitrag nicht untergebracht werden. Nur so viel: Es lohnt sich, mit Georg Löckinger zu sprechen.
Georg Löckinger ist Professor für technische Kommunikation an der FH OÖ. Michaela Fehringer ist Bibliothekarin an der FH OÖ.