Wie steuert der Staat? Besuch in der Schaltzentrale der österreichischen Bundesregierung
Wie tickt der öffentliche Dienst? Public Management-Studierende der FH Oberösterreich begaben sich im Rahmen einer Exkursion auf eine Reise vom Bundeskanzleramt. Die Erkenntnisse sind ebenso vielfältig wie zukunftsweisend
Im Zentrum der diesjährigen Exkursion der Studierenden von Public Management - jetzt Sozial- Public- und Nonprofit-Management (SPN) - nach Wien stand ein anspruchsvolles Ziel: praxisnahe Einblicke in die Steuerung, Innovation und internationale Verflechtung des öffentlichen Sektors. Expert*innen des Bundeskanzleramts und der UNO in Wien gaben Impulse, die weit über klassische Verwaltungsfragen hinausgehen.
Den Auftakt bildete ein Vortrag von Andreas Buchta-Kadanka, Leiter der Sektion III im Bundeskanzleramt, in dem rund 200.000 Bundesbedienstete beschäftigt sind. Er beschrieb die Verwaltung als „Holding des Staates“ mit hoher Koordinationsverantwortung. Eine Besonderheit ist, dass der Staat sein eigenes Dienstrecht aktiv mitgestaltet – eine doppelte Verantwortung, die hohe juristische, politische und strategische Anforderungen mit sich bringt. Besonders spannend war der Personalplan, digital verknüpft mit dem Budget über SAP-Basis, sowie das Wirkungscontrolling, bei dem Ministerien neben Budgets auch konkrete Zielwirkungen festlegen müssen. Österreich positioniert sich hier als Vorreiter im internationalen Vergleich.
Auch die Agenda 2030 stand auf dem Programm. Anna Muner-Bretter erklärte, wie die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) in nationale Verwaltungsstrukturen integriert und ressortübergreifend koordiniert werden Ein komplexer Balanceakt zwischen politischen Zielen, gesellschaftlichen Erwartungen und realen Zielkonflikten. Die SDGs sind zwar rechtlich nicht bindend, entfalten jedoch politische Steuerungskraft, wenn sie strukturell verankert werden.
Mit der nationalen KI-Strategie präsentierte Daniela Murhammer-Sas einen weiteren Innovationsbaustein. Das AI Policy Forum koordiniert Maßnahmen für eine gemeinwohlorientierte, ethische KI-Nutzung im öffentlichen Sektor. Davon sind 84 % der geplanten 95 Maßnahmen bereits umgesetzt oder in Arbeit. Dabei wurde auch die Herausforderungen, wie kulturelle Unterschiede in verschiedenen Ministerien oder fehlende Weisungskompetenzen offen angesprochen.
Sandra Vogel wiederum erläuterte die strategische Bedeutung der Personalentwicklung. Neben der Digitalisierung interner Prozesse und der Einführung eines neuen Leitbilds wurde unter anderem ein ressortübergreifendes Mentoring-Programm vorgestellt. Ziel ist es, den öffentlichen Dienst als attraktiven Arbeitgeber im Wettbewerb um Fachkräfte zu positionieren.
Innovationsfreude zeigte sich auch in der Abteilung für Verwaltungsinnovation, vorgestellt von Lukas Kastner. Projekte wie „Future of Work“ testen ortsunabhängiges Arbeiten oder 4-Tage-Wochen, ein eigens entwickeltes Innovationsbarometer misst Fortschritt und Kultur. Hier wird Verwaltung als lernendes System verstanden – offen, kooperativ, mutig.
Diese Exkursion war weit mehr als ein Blick hinter die Kulissen. Sie offenbarte, wie komplex, strategisch und innovationsgetrieben moderne Verwaltung ist – national wie international. Für die teilnehmenden Studierenden war es ein eindrucksvolles Erlebnis und ein wertvoller Baustein in ihrem Studium.