Ein Blick in die Kontrollarbeit des Landesrechnungshof: LRH-Direktor Hoscher zu Gast am FH-Campus Linz
Wie arbeitet eine Institution, die dafür sorgt, dass öffentliche Mittel korrekt verwendet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Vortrags von Landesrechnungshof-Direktor Mag. Rudolf Hoscher.
Bildrechte: Oö. Landesrechnungshof
Er machte gleich zu Beginn deutlich, dass der Landesrechnungshof nicht Teil der Regierung, sondern ein unabhängiges Organ des Landtags ist. Gerade diese Zuordnung schafft jene Distanz zur Politik, die für glaubwürdige Kontrolle notwendig ist. Neutralität ist dabei Grundvoraussetzung: Mitarbeitende dürfen keine politische Funktion ausüben.
Der Rechnungshof verfügt über rund 30 Mitarbeitende, darunter etwa 22 Prüferinnen und Prüfer. Gearbeitet wird grundsätzlich im Team, denn das Vier-Augen-Prinzip bildet das Rückgrat der Prüfungsarbeit. Es schützt die Prüferinnen und Prüfer und stellt sicher, dass jede Feststellung doppelt geprüft ist. Thematisch decken die Prüfbereiche ein breites Feld ab, von Gemeinden über Krankenanstalten bis hin zu Beteiligungsunternehmen und Infrastruktur.
Besonders spannend war der Einblick in die Planung der Prüfungen. Der Landesrechnungshof wählt seine Initiativprüfungen selbst aus, basierend auf Risikoanalysen sowie Hinweisen aus Verwaltung und Bevölkerung. Der Prüfplan bleibt bewusst geheim, damit geprüfte Stellen Abläufe nicht verändern oder vorbereiten können. Folgeprüfungen überprüfen später, ob empfohlene Maßnahmen tatsächlich umgesetzt wurden. Mag. Hoscher nannte zahlreiche aktuelle Beispiele, etwa Prüfungen in Gemeinden wie Perg und Engerwitzdorf, im Flughafen Linz oder im Bereich der Ordenskrankenhäuser.
Auch die Herausforderungen im Haushaltswesen wurden thematisiert. Der Umgang mit Übertragungsmitteln, die Zuweisung von Budgets und die Frage, wer eine Aufgabe finanziert, wenn neue Standards festgelegt werden, sind wiederkehrende Themen der Prüfungstätigkeit.
Ein deutliches Zukunftsthema ist die Digitalisierung. Der Landesrechnungshof setzt Power BI zur transparenten Darstellung komplexer Daten ein und arbeitet gemeinsam mit deutschen Landesrechnungshöfen an KI-gestützten Methoden. Gleichzeitig müssen alle Berichte barrierefrei publiziert werden, was insbesondere bei Grafiken eine große Herausforderung darstellt. Für ausgewählte Prüfungen werden zusätzlich Kurzfassungen in einfacher Sprache erstellt.
In der Kommunikation setzt der Rechnungshof auf Seriosität. LinkedIn und eine modernisierte Website sind zentrale Kanäle, während Plattformen wie TikTok oder Instagram bewusst nicht genutzt werden. Ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit sind Besuche in Schulklassen, um jungen Menschen die Bedeutung transparenter Verwaltung näherzubringen.
Der Vortrag machte deutlich: Kontrolle ist komplex, technisch anspruchsvoll und für die Funktionsfähigkeit des öffentlichen Sektors unverzichtbar. Der Landesrechnungshof agiert oft im Hintergrund, seine Wirkung ist jedoch weitreichend und langfristig.