17. Public Management Impulse
Risiken managen – Resilienz stärken: Ein thematischer Treffer ins Schwarze
Die „Public Management Impulse“, veranstaltet vom Studiengang Sozial-, Public- und Nonprofit-Management (SPN) bringen einmal jährlich aktuelle Themen, die den Public Sector berühren, aufs Tapet. Zum diesjährigen Thema „Risiken managen – Resilienz stärken“ konnten die Teilnehmer*innen ergänzend zur beruflichen Dimension auch einen persönlichen Bezug aufbauen. Zahlreiche der potentiellen Krisen können Menschen als Mitarbeiter*innen des Public Sectors nämlich ebenso wie als Bürger*in (be)treffen.
Generell sind die Risiken sind in ihrer Art vielfältiger geworden – Stichwort Cybersecurity oder Risiken als Folge des Klimawandels – und realer, wenn Energieversorgung, kritische Infrastrukturen oder Versorgungsfragen in den Vordergrund rücken. Nicht immer sind sie globaler Natur wie die Coronakrise oder von geopolitischer Bedeutung wie diverse Kriege auf dieser Welt.
Auch regionale und lokale Ereignisse, strukturelle Hürden, Personalengpässe, Änderungen in gesellschaftlicher, digitaler, rechtlicher oder politischer Hinsicht, fordern die Vorbereitung und Anpassungsfähigkeit des öffentlichen Sektors und der Sozial- und Gesundheitswirtschaft.
Studiengangsleiterin und Veranstalterin FH-Prof. Franziska Cecon führte zu Beginn ins Thema ein. Sie führte die verschiedenen Ebenen von Resilienz, also der Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit von Individuen, Teams, Organisationen und Systemen, aus und machte die Zusammenhänge zu den Risiken deutlich. Die beiden FH-Professor*innen Thomas Prinz und Renate Kränzl-Nagl stellen empirische Befunde aus der Sozialwirtschaft wie auch konkrete Vorgehensweisen und Instrumente zum Thema Risikomanagement vor.
Aufgrund einer Rekonvaleszenz war Franziska Cecon online mit dabei, stellvertretend führte Andreas Berndt von der Hochschulkommunikation durch das Programm.
Gemeindebefragung durch Absolventen von Public Management
Im Rahmen einer quantitativen Hauptstudie im Zuge der Masterarbeit führten Armin Gurtner und Daniel Göttfert eine Online-Befragung zum Thema Risikomanagement in oberösterreichischen Gemeinden durch. Gurtner ist Amtsleiter in St. Florian am Inn, Göttfert in Sattledt – beide haben mit Schwerpunkt Public Management an der FH Oberösterreich studiert.
Ziel war es, einen Einblick in die Risikowahrnehmung und -bewältigung auf kommunaler Ebene zu gewinnen. Dabei stand insbesondere die Frage im Fokus, welche Risiken aus Sicht der Verantwortlichen in den Gemeinden bestehen und wie diese eingeschätzt werden. Zudem sollte erhoben werden, welche Maßnahmen von den Kommunen als sinnvoll erachtet werden, um Risiken zu minimieren. Ein weiterer zentraler Aspekt war, inwieweit Risikomanagement in oberösterreichischen Gemeinden bereits betrieben wird. Am Beispiel von St. Florian am Inn wurde die Einführung und Umsetzung des Risikomanagements schrittweise verdeutlicht.
Blackout-Prävention durch die Stadt Linz
In Linz wurde in den Jahren 2022 und 2023 das Konzept zur Vorbereitung auf einen möglichen Blackout, einen längerfristigen überregionalen Totalausfall des Stromversorgungsnetzes, erarbeitet. Als Leiterin dieses Projekts schilderte Carina Rumpold von der Abteilung Organisation & Digitalisierung der Magistratsdirektion Linz ihre Erfahrungen bei diesem komplexen Thema. Ihre Empfehlung ist, sich vom „Kleinen ins Große“ zu arbeiten, um nicht von der Fülle der Teilaspekte überrollt zu werden. 2023 hat sie außerdem ein Städtenetzwerktreffen zu diesem Thema ins Leben gerufen, die Bedeutung dieser Zusammenarbeit hat sie mehrfach hervorgehoben. Auch wenn die Thematik aktuell weniger im medialen Fokus ist, braucht es ein kontinuierliches Dranbleiben, um im Ernstfall handlungsfähig zu sein.
Resilienzmanagement am Beispiel der Marktgemeinde Hörsching
Bereits seit dem Jahr 2022 beschäftigt sich die Marktgemeinde Hörsching intensiv mit dem Thema Resilienz. Ausgangslage war die Bewältigung der zahlreichen Herausforderungen bezugnehmend auf die Corona-Pandemie. Die Marktgemeinde setzte sich das Ziel, die bereits vorhandenen positiven Aspekte systematisch – mittels Risikomanagement – zu stärken, um für weitere Krisen und Veränderungen im Allgemeinen gut gewappnet zu sein. Bürgermeister Klaus Wahlmüller und Amtsleiter Marcus Niederreiter, Absolvent von Public Management, stellten die Aktivitäten in Hörsching vor, das sich am „Haus der Resilienz“ (erkennen, vorbereiten, reagieren) orientiert und sowohl strategische Vorgaben als auch die Umsetzung in der Organisationskultur braucht. Wahlmüller betonte, wie wichtig die Sensibilisierung für die Thematik ist und sieht es als soziale Verantwortung, sich damit auseinander zu setzen. Insgesamt ist der Weg zur Resilienz ein laufender Prozess, also ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, u.a. auch aus der Notwendigkeit knapper Ressourcen heraus, die Effizienz zu erhöhen.
Stadtgestaltung in Zeiten des Klimawandels
130 Bäume in vier Jahren und geschützte Aufenthaltsbereiche zur Abkühlung im „coolen Linz“: Stadtklimatologe Johannes Horak vom Linzer Magistrat berichtete von einer stolzen Bilanz der oberösterreichischen Landeshauptstadt. In seinem Beitrag hat er die strategische Arbeit der Stadt Linz zur Klimawandelanpassung beleuchtet und spannende Aspekte angesprochen, wie etwa: Was verstehen wir unter dem Begriff Risiko im Klima-Kontext überhaupt? Wie können Klimarisiken ermittelt und Priorisierungen abgeleitet werden? Wie können Umsetzungsfortschritte festgestellt werden? Er ist überzeugt, Klimaresilienz braucht Ressourcen und ist dann auch sichtbar. Und anstelle von Warten auf die „Perfektion“ plädiert Horak für die aktives Handeln, ganz nach dem Motto: better done than perfect, denn der erste Schritt ist der Wichtigste.
Sichere Lieferketten durch globale Abhängigkeiten in Gefahr
Welche Strategien zur Risikominderung in der Lieferkette gibt es? Wie können Nachhaltigkeit und Regionalität die Resilienz stärken? Zukunftssichere Versorgung in öffentlichen Unternehmen gelingt durch wirksames Risikomanagement, effiziente und nachhaltige Beschaffung sowie klare Compliance-Strukturen. Davon konnte Sonja Irresberger von der KPMG berichten, die insbesondere den rechtlichen Rahmen hervorhob und die Abhängigkeit von den USA, ihrem launischen Präsidenten und großen Tech-Unternehmen kritisierte und den „Dual Circulation-Ansatz“ Chinas, mit einer Stärkung des Binnenmarktes, als potenzielle Alternative aufzeigte.
Kritische Infrastruktur und IT
Vielmehr launig als launisch präsentierte FH-Prof. Robert Kolmhofer, der an der Hagenberger Fakultät der FH Oberösterreich das Department Sichere Informationssysteme leitet, die IT-bezogenen Risiken. Kolmhofer behandelte die wichtigsten Aspekte von organisatorischen und technischen Cybersecuritymaßnahmen nach Stand der Technik und im Lichte der NIS-Gesetzgebung. Pragmatische Lösungsansätze zur Risikominimierung durch „10 Gebote für Cybersecurity nach Stand der Technik“ – deren von Robert Kolmhofer vorgeschlagene Einmeißelung in Stein am Fuß des Pöstlingsbergs verheißt auch touristisches Potenzial - sowie eine Präsentation einer NIS2-Bewertungsmethodik, die für den Städtebund entwickelt wurde, gaben einen Einblick in die praktische Umsetzung der regulatorischen Vorgaben. Kolmhofer betonte auch, wenn Risikomanagement und Resilienz gut umgesetzt sind, merken die Kund*innen nicht, wenn der Ernstfall eintritt.
Krisenkommunikation: Schnell, authentisch, fundiert
Viktoria Feichtinger von der Agentur Schütze Public Results weiß: Wenn eine Krise eintritt, zählt jede Sekunde – und jedes Wort. Wie gelingt Kommunikation, wenn der Druck steigt, Informationen fehlen und Emotionen hochgehen? Feichtinger zeigte auf, wie professionelle Krisenkommunikation Orientierung schafft, Vertrauen bewahrt und Handlungsfähigkeit sichert – intern wie extern. Anhand praxisnaher Beispiele aus Wirtschaft und Verwaltung gab sie Einblicke, wie strategische Planung, klare Botschaften und Haltung in Ausnahmesituationen den entscheidenden Unterschied machen können.
Zum Finale der 17. Public Management Impulse verband eine Podiumsdiskussion einige der Referent*innen untereinander und mit dem Publikum, das im Saal und online mit dabei war.
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